13. August 2017

Februar 1917


In drei Tagen legte mein Großvater fast 900 km zurück, von Deutschland über Belgien nach Frankreich.


Donnerstag, 1. Februar
Abends wurde von uns im Erholungsheim ein Konzertabend veranstaltet, zum Besten der Feldgrauen von Kirchlinteln. Hatten sehr guten Besuch zu verzeichnen, leider machte die Polizeistunde (10:00 Uhr) dem Konzert ein frühes Ende.

Freitag, 2. Februar
Vormittags nach Verden zum Löhnungsappell gewesen. Nachmittags hielt ich Unterricht ab.

Sonnabend 3. Februar
Vormittags marschierten wir zur Ziegelei. Nach hier waren uns zwei Bauwagen herausgesandt worden. Errichteten in der Ziegelei Station und bauten dann in zwei Trupps, Unteroffizier Tepper mit einem Trupp nach Weitzmühle, ich mit dem anderen Trupp nach Scharnhorst. Um 12:00 Uhr wurde dann mit dem Abbau begonnen und wir kehrten nach Kirchlinteln zurück.

Sonntag, 4. Februar
Nachmittags nach Verden, zum Konzert im Viktoria Kaffee, gegangen. Vormittags waren
15 Grad Kälte.

Montag, 5. Februar
Erhielt heute von Walter eine Karte, daß er sich nicht mehr bei der Infanterie, sondern bei der Signalabteilung eines Fernsprechdoppelzuges befindet.

Dienstag, 6. Februar
Sollten erst Bauen. Der starken Kälte wegen, ließen wir die Bauwagen bis Kirchlinteln und hielten hier Unterricht ab. Nachmittags 1:00 Uhr fuhr ich mit den Bauwagen nach Verden und um 5:00 Uhr mit dem Verpflegungswagen nach Kirchlinteln zurück.

Mittwoch, 7. Februar
Nichts Besonderes.

Donnerstag, 8. Februar
Verschiedene von den Telegraphisten wurden heute ausgesucht, zwecks Ausbildung für A-Stationen.

Freitag, 9. Februar
Vormittags zur Ziegelei marschiert, dort Permanent-Bau geübt.

Sonnabend, 10. Februar
Mußten vormittags nach Verden, Löhnung empfangen. Dabei wurde uns mitgeteilt, daß wir alle für A- Stationen ausgebildet werden sollen. Nächste Woche soll der Kursus beginnen und müssen wir daher von Kirchlinteln nach Verden ziehen.

Sonntag, 11. Februar
Beim Mittagessen gab der Wirt Sewerin vom Erholungsheim, zwei Flaschen Wein für die Unteroffiziere aus. Als Abschiedsgabe, da wir unsere Quartiere hier bald verlassen. Nach längerer Kälte trat heute endlich Tauwetter ein.

Montag, 12. Februar
Abends veranstalteten wir einen Wohltätigkeits- und gleichzeitig Abschiedsabend. Hatten zu dem Konzert ganz guten Besuch und viel Beifall. Nach Schluß des Konzertes, ging ich zur Bahnhofswirtschaft von Dierks. Von unseren Musikern waren auch vier Mann dort, die ein Stück nach dem anderen spielten. Einige junge Damen aus Scharnhorst waren auch noch dort und bald wurde getanzt. Bis früh nach 5:00 Uhr saßen wir so zusammen und gingen dann mit Vizewachtmeister Flott, seiner Braut und vier anderen Damen nach Scharnhorst, wo Fräulein Müller in der Gastwirtschaft ihres Vaters gleich Kaffee kochte. Saßen bis 7:00 Uhr hier noch zusammen und gingen dann nach Kirchlinteln zurück. Um ¾ 8 Uhr glücklich dort anlangend.

Dienstag, 13. Februar
Die Sachen wurden gepackt und mittags um 2:00 Uhr sollten wir abrücken. Der Wagen für unser Gepäck kam aber nicht und wir konnten bis ½ 7 Uhr warten, ehe er kam. Dann ging es in der Dunkelheit los nach Verden, wo wir in der Kaserne untergebracht wurden.

Mittwoch, 14. Februar
Vormittags begann gleich unser Dienst mit Exerzieren. Danach Unterricht und Geben und Aufnehmen, durch Pausen unterbrochen, bis abends 5:00 Uhr. Ging abends noch mit Unteroffizier Lüthers nach dem Soldatenheim und danach zu Haases Gasthof.

Donnerstag, 15. Februar
Nach dem Dienst gingen wir abends nach dem Viktoria Kaffee zum Konzert.

Freitag, 16. Februar
Erhielt heute eine Korporalschaft zugeteilt, die 13.

Sonnabend, 17. Februar
Haben jetzt sehr schlechtes Wetter. Mal ist es etwas kalt, dann wieder wärmer und Regen und wenn es dann wieder kalt wird, sind die Straßen mit Glatteis überzogen. Das Spazierengehen, die einzige Erholung hier, ist somit eine richtige Qual.

Sonntag, 18. Februar
Vormittags war Kirchgang. Die Korporalschaftsführer brauchten, wegen der Stubendurchsichten, nicht mitzugehen. Beim Mittagessen taucht das Gerücht auf, daß alle, die in Kirchlinteln waren, zum Doppelzug 611 kämen und ins Feld rückten. Uns erschien es erst nicht glaublich, wegen des A-Kurses. Bei der Parole um 12:00 Uhr wurden wir aber doch eingeteilt und sollten sogar noch diese Nacht ins Feld rücken. Jetzt ging es nun ans Sachen empfangen. Bis zum späten Abend kamen wir nicht zur Besinnung. Abends mußte dann noch Kabel umgetrommelt werden. Zwischendurch ging ich mal zu Haases essen und war dann bis gegen 12:00 Uhr nachts beim Kabelumtrommeln. Dann wurden die Sachen gepackt und um ½ 3 Uhr konnte ich mich endlich auf drei Stunden schlafen legen.

Montag, 19. Februar
Der Vormittag ging mit Antreten und Sachen empfangen dahin. Um ½ 11 Uhr marschierten wir zum Bahnhof und um ½ 12 Uhr fuhren wir ab in Richtung Bremen. Hatte einen Platz mit zwei Unteroffizieren in einem Kupee 2. Klasse, wo wir es also ganz bequem hatten. Die Fahrt ging nun von Bremen über Osnabrück nach Münster, wo die erste Verpflegungsstation war. Dann fuhr der Zug über Düsseldorf–Neuss nach Kapellen.

Dienstag, 20. Februar
Vormittags 6:00 Uhr langten wir in Kapellen an, wo wieder Verpflegungsstation war. Dann ging es weiter über Düren – Eschweiler – Stollberg – Herbestal in Belgien hinein und weiter über Dölhain – Verviers – Enzival – Pepinster – Nesson – Vaux – Trooz – La Broeck – Chaude Fontaine – Hene – Chene nach Lüttich, hier gab es wieder Verpflegung. Dann ging es über Namur – Ronnet – Charleroi nach Jeumont, wo wir abends gegen 10:00 Uhr waren und Verpflegung erhielten.

Mittwoch, 21. Februar
Über Quentin–Fernier ging die Fahrt nach La Fère, welches unser Endziel war und vormittags gegen ½ 9 Uhr erreicht war. Jetzt wurde ausgeladen und dann marschierten wir über Dannzy nach Monceau Les Leups, wo wir Quartier bezogen.

Donnerstag, 22. Februar
Liegen nun hier circa 30 km hinter der Front und sollen Leitungen bauen, fingen auch heute gleich mit dem Ausheben der Löcher an.    

Freitag, 23. Februar
Arbeiteten heute an dem Gestänge, welches westlich Monceau vorbei gehen soll. Das Wetter ist etwas neblig, aber sonst ganz angenehm. Nur das auf den Feldern alles aufgeweicht ist und der Lehm an den Stiefeln kleben bleibt. Stellenweise finden wir beim Löchergraben auch Kalkstein, sodaß das Graben ziemlich viel Mühe macht.

Sonnabend,24. Februar
Die Baustrecke wurde heute geändert, wodurch über zwanzig schon gegrabene Löcher überflüssig wurden. Von Monceau Les Leups geht es jetzt bis zur Wegegabel, südlich Remies. Mit drei Mann fing ich an, die Strecke abzustecken, während acht Mann mit dem Graben begannen.

Sonntag, 25. Februar
Früh beim Antreten war es sehr kalt, auch hatte es die Nacht gefroren. Im Laufe des Vormittags änderte sich aber das Wetter, die Sonne kam hervor und wir hatten solch einen schönen Tag, wie wir ihn bisher hier noch nicht hatten. Da Sonntag ist, wurde nur bis 1:00 Uhr gearbeitet.

Montag, 26. Februar
Heute wurden wir mit dem Löchergraben auf unserer Strecke fertig.

Dienstag, 27. Februar
Begannen heute mit dem Stangenausfahren. Nachmittags ritt ich nach dem Waldstreifen bei Remies, um nachzusehen, ob dort zum Bau geeignete Bäume stehen.

Mittwoch 28. Februar
Mit drei Mann ging ich nach dem Walde südlich Remies und fällte dort Stangen.

3. Juli 2017

Januar 1917




Montag, 1. Januar 1917
Ein neues Jahr ist nun angebrochen. Wieder müssen wir es im Kriege und im Feindesland begehen. Möge es das letzte Mal sein und das nächste Neujahrsfest uns wieder in Frieden vereinen.
Persönlich bin ich ja noch krank, wenigstens was meine Hände betrifft und einige Zeit wird wohl vergehen, ehe dieselben in Ordnung sind. Vom Fieber aber schon frei, gedachte ich heute aus dem Revier entlassen zu werden. Aber der Stabsarzt kam nicht zur Visite. Hat wahrscheinlich auch zu sehr Neujahr gefeiert. Stand aber trotzdem auf und war fast den ganzen Tag bei meinem Trupp.

Dienstag, 2. Januar
Meinen heutigen Geburtstag so gut wie gar nicht gefeiert. Wurde aus dem Revier entlassen, nur meine Hände sind noch nicht gut. Versuchten nachmittags das erste Mal Kuchen zu backen. Geriet ganz gut.

Mittwoch, 3. Januar
Heute kamen schon Fernsprecher der 12. Infanterie Division an, welche uns hier ablösen.

Donnerstag, 4. Januar
Nachmittags setzte ein ziemlich starker Sturm mit Schneetreiben ein. Hoffentlich macht er uns nicht noch in letzter Stunde unangenehmen Schaden.

Freitag, 5. Januar
Mittags übernahmen die Fernsprecher der 12. Infanterie Division unsere Station.

Sonnabend, 6. Januar
Übergaben heute noch das übrige Material an die Fernsprecher der 12. Infanterie Division.

Sonntag, 7. Januar
Mittags wurden unsere Fahrzeuge nach Jelowka gebracht und morgen früh sollen wir verladen werden. Bald wurde dies aber geändert und es hieß, erst nachmittags 5:00 Uhr verladebereit zu sein. Um 6:15 Uhr marschierten wir endlich von Komarischki ab, nach Jelowka. Bis 10:50 Uhr mußten wir hier warten, ehe wir mit dem Verladen beginnen konnten. Als wir endlich soweit waren, erhielten wir zu wenig Eisenbahnwagen, so daß unsere Bauwagen auseinandergeprotzt und so dicht wie möglich, verladen wurden. Auch mit den Pferden war es das gleiche. Statt sechs waren in jedem Wagen sieben oder acht, ja sogar neun Pferde. Fertig mit dem Verladen, warteten wir auf einem anderen Gleise auf die Abfahrt, als mit einemmal ein russischer Flieger erschien und uns mit Bomben bewarf. Glücklicherweise traf er aber nichts. Es verlautet übrigens, daß unser Reiseziel geändert sei.   
Statt Frankreich, sollen wir Mitau als Reiseziel haben, da dort oben der Russe in unsere Stellungen eingedrungen sein soll.

Montag, 8. Januar
Nach 2:00 Uhr früh fuhren wir von Jelowka ab, über Radziwilischki–Schaulen und waren 9:00 Uhr abends in Mitau. Hier wurde alles ausgeladen und kurz nach 11:00 Uhr marschierten wir durch Mitau nach dem Rittergut Paulsgnade, hier Quartier beziehend.

Dienstag, 9. Januar
Blieben heute in Paulsgnade. Mittags baute ich mit meinem Trupp einen Teilnehmeranschluß für die Fernsprechzüge.

Mittwoch, 10. Januar
Vormittags 6:00 Uhr marschierten wir ab, über den Aa nach Elisenhof, wo wir Quartier bezogen und die Station für den Divisionsstab besetzten.

Donnerstag, 11. Januar
Die Station wurde umgebaut in einen kleinen Raum, welcher wohl früher als Rumpelkammer gedient hatte. Müssen den ganzen Tag darin Licht brennen.

Freitag, 12. Januar
Baute vormittags mit ein paar Mann eine Kabeldoppelleitung nach Wolgund, circa 2 KM. Mußten in den gefrorenen Boden Stangen setzen. Stellenweise lag der Schnee so hoch und lose, daß wir bis übers Knie, ja bis ans Gesäß einsanken.

Sonnabend, 13. Januar
Vormittags erfuhren wir, daß es in dem nahen Klivenhof Bier gäbe. Wir sandten von jedem Trupp einen Mann hin und jeder brachte glücklicherweise ein Achtel an. Nachmittags kam von „Kofe 8“ der Befehl, zwei ältere Unteroffiziere zur Fernsprech Ersatz Abteilung 6 nach Verden an der Aller abzugeben. Sergeant Balzer und ich sollen nun fort. Da wir nun Bier hatten, konnten wir gleich Abschied feiern.

Sonntag, 14. Januar
Vormittags kam Balzer mit seinem Trupp an. Gegen 2 ¼ Uhr nachmittags fuhren wir dann vom Elisenhof ab und waren gegen 4:00 Uhr in Mitau. Nachdem wir unser Gepäck abgegeben hatten, mußten wir uns zuerst „entlausen“ lassen, um den Entlausungsschein wenigstens zu haben. Gingen darnach ins Soldatenheim, etwas essen und trinken, und begaben uns wieder zum Bahnhof, wo wir 7:50 Uhr nachmittags abfuhren.

Montag, 15. Januar
War zu Anfang unser Wagenabteil wenigstens etwas warm, so war doch bald davon nichts mehr zu merken. Ganz durchfroren langten wir dann mit über einer Stunde Verspätung auf dem Alexanderplatz um 9:20 Uhr nachmittags an. Nachdem wir mit unserem Gepäck alles erledigt hatten, fuhr ich nach Hause. Mutter war nicht schlecht erstaunt, als ich gegen 11:00 Uhr plötzlich ankam.

Dienstag, 16. Januar
Machte im Laufe des Tages verschiedene Besuche. Erich Gottschalk war auch gerade auf Urlaub. Abends 7:18 Uhr traf ich mich mit Balzer auf dem Lehrter Bahnhof und wir fuhren in Richtung Hannover ab.

Mittwoch, 17. Januar
Nach 2:00 Uhr in Hannover angelangt, mußten wir bis nach 4:00 Uhr warten und konnten dann mit dem Bremer Zug weiterfahren, um kurz nach 7:00 Uhr in Verden anzukommen. Nachdem wir uns erst auf dem Bahnhof etwas gestärkt hatten, ging es zur Kaserne. Wurden in Bürgerquartier einquartiert und ich kam zu Wedekamp, Brunnenweg 14. Nachmittags ¾ 2 Uhr war antreten und ich wurde mit mehreren Unteroffizieren zu einem in Kirchlinteln befindlichen Doppelzuge eingeteilt. Balzer kam nach Hannover zum Rekruten ausbilden. Mußte nun mein Quartier wieder verlassen und um ½ 5 Uhr marschierten wir ab nach Kirchlinteln, welches circa 6 KM von Verden entfernt liegt. Kam auch hier in Bürgerquartier, mit einem Unteroffizier zusammen. Müssen auch zusammen in einem Bett schlafen. 

So sieht der Brunnenweg 14 in Kirchlinteln heute aus.

Donnerstag, 18. Januar
Mein Schlafkollege, Unteroffizier Tepper, quartierte sich heute wo anders ein, so daß ich in meinem Quartier allein bin.

Freitag, 19. Januar
Dienst scheint furchtbar wenig hier zu sein. Den ganzen Tag muß man sich herumdrücken. Zum Spazierengehen ist es zu kalt und im Erholungsheim ist es auch nicht besonders warm.

Sonnabend, 20. Januar
Nachmittags marschierten wir mit den Telegraphisten nach Verden zum Löhnungsempfang, Mußten hier ziemlich lange warten und um ½ 8 Uhr waren wir wieder in Kirchlinteln.
Heimaturlaub, den wir eingereicht hatten, haben wir nicht erhalten. Vorläufig abwarten. Wie lange, steht nicht fest. Vielleicht sind wir inzwischen wieder im Felde.

Sonntag, 21. Januar
Vormittags bis 11:00 Uhr geschlafen, gefrühstückt, dann gut Mittag gegessen. Nachmittags Briefe geschrieben, Kaffee getrunken, Abendbrot gegessen. Dann von ½ 8 Uhr bis kurz vor
12:00 Uhr nachts im Erholungsheim gesessen, mit Unteroffizieren Tepper und Lütters, immer ein Bier und ein Schnaps nach dem anderen getrunken, dann endlich schlafen gegangen und der Sonntag war herumgebracht. So muß man hier die Zeit verbringen, bald noch langweiliger als in Russland.

Montag, 22. Januar
Die Telegraphisten mußten vormittags nach Verden, zum Mantel verpassen. Wird höchste Zeit, daß dieselben ausgegeben werden, denn bei der jetzigen Kälte ist es ohne Mantel gar nicht auszuhalten, hatten wir doch heut Morgen 12 Grad Kälte.
     
Dienstag, 23. Januar
Nachmittags marschierte ich mit den Telegraphisten nach Verden, zum Stiefelempfang. Ging in Verden mit Unteroffizier Lütters noch ein bißchen Konditern.

Mittwoch, 24. Januar
Vormittags zum Übungsplatz marschiert, da das Depot geschlossen war, wurde mit den Telegraphisten exerziert. Nachmittags wieder Ausmarsch ins Gelände.

Donnerstag, 25. Januar
Nichts Besonderes.

Freitag, 26. Januar
Vormittags mit den Telegraphisten wieder zum Übungsplatz gewesen und exerziert.

Sonnabend, 27. Januar
Nachmittags mit Unteroffizier Albrecht und Tepper nach Verden gegangen. Dort im Viktoria Haus beim Konzert, einen Schoppen nach den anderen geleert und gegen 12:00 Uhr nachts auf den Weg nach Hause, d.h. nach Kirchlinteln gemacht, wo wir um 1:00 Uhr eintrafen.

Sonntag, 28. Januar
Abends war hier im Erholungsheim eine kleine Kaiser Geburtstagsfeier mit Vorträgen von den Schulkindern des Ortes. Die Aufführungen waren sehr nett und ein ganz gemütlicher Abend kam zustande.

Montag, 29. Januar
Erhielt heute früh einen Brief mit der Nachricht, vom Hinscheiden meiner Tante Emilie. Mittags kam auch noch ein Telegramm. War schmerzlich überrascht davon, da ich sie bei meiner Durchreise durch Berlin vor zehn Tagen, noch wohl und munter antraf. Versuchte nun Urlaub, zu dem morgigen Begräbnis zu bekommen. Wurde mir aber vom Hauptmann abgelehnt, da der Tod einer Tante kein dringender Grund wäre und Urlaub nur in dringenden Fällen erteilt werden darf, um die Bahnen möglichst wenig zu benutzen.

Dienstag, 30. Januar
Heut ist nun das Begräbnis von Tante Emilie. Die letzte Ehre kann ich ihr leider nicht erweisen, aber meine Gedanken weilen bei ihr.   

Mittwoch, 31. Januar
Großmutter feiert heute ihren 80. Geburtstag.

7. Mai 2017

Dezember 1916



Weihnachten 1916 in Komarischki. Fritz Schilling in der Mitte des Tisches.


Montag, 4. Dezember
Vormittags ging es nun zur Bahn, um wieder nach Rußland abzudampfen. Mutter und Els’chen kamen mit zur Bahn.

Dienstag, 5. Dezember
Mittags nach 1:00 Uhr glücklich in Jelowka angekommen, blieb ich einige Zeit bei Mielke, um dann nach Komarischki zu reiten.

Mittwoch, 6. Dezember
Heute Vormittag ging es gleich wieder mal nach dem Stinkraum in Kowenka, Gasmasken ausprobieren.

Donnerstag, 7. Dezember
Nichts Besonderes.

Freitag, 8. Dezember
Mittags 1:00 Uhr zeigte sich Rauch im Stall vom Vorratswagen. Wir konnten gerade noch die Pferde in Sicherheit bringen, als die Flammen herausschlugen. Bald stand der ganze Stall in Flammen. Wir mußten uns nun darauf beschränken, unser Wohnhaus zu retten, was auch mit äußerster Mühe gelang. Bis zum späten Abend hatten wir reichlich zu tun und die ganze Nacht noch Wachen zu stellen.

Sonnabend, 9. Dezember
Hatten heute mit den Aufräumungsarbeiten zu tun.

Sonntag, 10. Dezember
Der General feierte seinen Geburtstag. Gleich zwei Kapellen mußten dazu herkommen.

Montag, 11. Dezember
Ritt vormittags nach Laßen, von hier am Gestänge entlang über Lowieden hinaus, bis zu den Ortsunterkünften der Proviantkolonne 6 und der Fuhrparkkolonne 6, wo von uns welche beim Leitungsbau waren. Kehrte dann über Witkuschki – Aschaschuli zurück.

Dienstag, 12. Dezember
Heute ist die Postsperre wieder zu Ende. Kann also endlich nach Hause schreiben, wie ich vom Urlaub angekommen bin.

Mittwoch, 13. Dezember
Heute Abend kam die Nachricht vom deutschen Friedensangebot durch. Allerdings noch keine genauen Angaben, sodaß die Urteile darüber sehr verschieden sind.

Die Welt: Als das Deutsche Reich der Welt den Frieden anbot 

Donnerstag, 14. Dezember      
Die heutigen Nachrichten über das Friedensangebot und die Mitteilungen des Reichskanzlers im Reichstage, lösen sehr verschiedene Ansichten aus. Während wohl alle erfreut wären, falls die Vorschläge zur Annahme gelangten, herrschen doch fast überall starke Zweifel, daß dies der Fall sein wird. Alle sind aber der Meinung, daß bei Ablehnung des Deutschen Friedenangebotes, der Krieg mit verdoppelter Energie und Erbitterung weitergeführt würde, bis zum siegreichen Ende.

Freitag, 15. Dezember
Es wird von Frieden gesprochen, die Blätter bringen alle möglichen Meldungen, aber genaues weiß doch keiner.

Sonnabend, 16. Dezember
Heute Morgen begann der Russe mit einemmal Jelowka zu beschießen. Alles war erstaunt, da er bis hierher noch nie gereicht hatte. Überall streute er, traf aber den Ort selbst nicht. Auch der angerichtete Schaden ist fast unbedeutend. Uns hatte er zwar eine Menge Leitungen zerschossen, am Kleinbahnhof Schödern traf er den Wasserturm und ein paar Gleise, alles Sachen, die bald wieder in Ordnung sind. Die Beschießung dauerte bis zum Abend.

Sonntag, 17. Dezember
Heute früh mit fünf Mann nach Jelowka, um dort beim Leitungsreparieren zu helfen. Hatten am Kleinbahnhof Schödern bis zur Starkstromzentral ziemlich viel zu tun, da bis hierher der Russe mit Granaten von 32 cm Durchmesser geschossen hatte. Bald Loch neben Loch und doch nur eine, die etwas getroffen hatte. Den Wasserturm nämlich beschädigt und zwei Kleinbahnlokomotiven umgekippt. Von der einen wurde der Tender, welcher 2700 kg wiegt, über 70 Meter weit geschleudert. Die Drehgestelle davon sogar bis über 100 Meter. Kehrten bei Dunkelheit nach Komarischki zurück.

Montag, 18. Dezember
Vier Mann mußten wieder nach Jelowka, sollen einige Tage dort bleiben.

Dienstag, 19. Dezember
Von heute ab sind die Unteroffiziere auch zum Stationsdienst eingeteilt, täglich acht Stunden.

Mittwoch, 20. Dezember
Fuhr vormittags nach Jelowka und empfing vierzehn Schneeschuhausrüstungen. Gab diesmal alles komplett, Stiefel, Gamaschen usw.

Donnerstag, 21. Dezember
Heute bekam der Russe allerlei Zunder. Ein kleiner Angriff wurde vom Infanterie Regiment 44 gemacht. Mit einem Maschinengewehr und einigen Gefangenen kehrten unsere in ihren Graben zurück. Nachmittags lief ich mit Leutnant Gooßens Schneeschuh.

Freitag, 22. Dezember
War heute den ganzen Tag nicht auf den Posten. Habe mich etwas erkältet und legte mich zeitig ins Bett.

Sonnabend, 23. Dezember
Lag den ganzen Tag im Bett. Erst gegen Abend stand ich für ein Weilchen auf.

Sonntag, 24. Dezember
Bin heute so leidlich auf den Posten. Nachmittags war beim Stab Weihnachtsfeier. Alles mußte erscheinen. Oberleutnant von der Lanken hielt eine kurze Ansprache, worauf der General kurz erwiderte. Dann erhielt jeder ein Liebesgabenpaket und einen Weihnachtsstollen.

Montag, 25. Dezember
Nachmittags war Gottesdienst. Pfarrer Nell hielt die Predigt, die wohl niemanden gefiel.

Dienstag, 26. Dezember
Greulich sollte heute auf Urlaub fahren, wurde aber nichts daraus.

Mittwoch, 27. Dezember
Früh meldete ich mich krank, da ich an der rechten Hand eine Nagel- und Hautentzündung habe. Greulich konnte heute auf Urlaub fahren. Nachmittags kam mit einemmal ein Divisionsbefehl, daß der Urlaub wegen Wagenmangel gesperrt ist. Greulich konnte gerade noch so abhauen. Gleichzeitig taucht auch das Gerücht auf, daß unsere Division fort kommt.

Donnerstag, 28. Dezember
Es wird jetzt schon fleißig mit den Vorbereitungen begonnen, um abgelöst zu werden.

Freitag, 29. Dezember
Nach dem Abendessen wurde mir heute so schlecht, bekam Aufstoßen, Kopfschmerzen und Fieber. Wahrscheinlich von drei genossenen Eiern. An der linken Hand bekam ich auch eine Entzündung, nun sind beide Hände im Verband    

Sonnabend, 30. Dezember
Mußte heute, da ich fieberte, ins Revier hinüber ziehen. Angenehme Aussicht, über Sylvester im Bett liegen zu können.

Sonntag, 31. Dezember
Lag tagsüber im Bett. Fühlte mich ganz wohl und stand abends auf, um im Kreise meines Trupps, das neue Jahr zu begrüßen. Hatten uns etliche Flaschen Punsch gekauft und kneipten zum Teil, bis zum frühen Morgen.