20. August 2017

März 1917




Aus dem Militärpass meines Großvaters


















Donnerstag, 1. März

Auf der Baustrecke Stangen ausgefahren und gesetzt, sowie Querträger angebracht. Unser Führer traf heute hier ein, Oberleutnant der Reserve Verbücheln, welcher 1913 im Kaisermanöver schon mein Zugführer war.

Freitag, 2. März
Sind heute mit dem Stangenausfahren fertig geworden. Einige sind noch zu setzen und dann müssen noch Querträger angebracht werden. Die Telegraphisten waren ordentlich zufrieden, die jungen Kerls haben sich nicht schlecht mit den schweren Stangen herumgequält.

Sonnabend, 3. März
Setzten auf unserer Baustrecke die letzten Stangen, sowie auch die nötigen Anker und Streben.

Sonntag, 4. März
Fingen mit dem Drahtziehen heute an. Es geht damit noch sehr langsam, da die Telegraphisten noch vollkommen ungeübt, sowohl im Klettern als auch im Binden, sind. Von der Somme her, ist den ganzen Tag schweres Artilleriefeuer hörbar.

Montag, 5. März
Die Nacht über hatte es geschneit, so daß früh beim Antreten alles unter einer Schneedecke lag. Das Drahtziehen in dem Schneegestöber war auch nicht angenehm.

Dienstag, 6. März
Auf unserer Baustrecke Monceau – Wegegabel Remis – Assis wurden heut drei Doppelleitungen fertig. Sollten erst alle sechs Leitungen ziehen, nun brauchen aber nur vier gezogen werden, so daß wir noch eine Leitung zu ziehen haben.

Mittwoch, 7. März
Ging heute mit siebzehn Mann zur Baustrecke nach Versigny. Hatte dort noch Löcher zu graben und Stangen zu setzen. Da ich Fahrer, also alte Leute mitbekam, ging das Stangensetzen sehr schnell. Es ist doch ein Unterschied zwischen den Alten und den jungen 18jährigen.

Donnerstag, 8. März
Wieder auf der Strecke nach Versigny gewesen. Stangen gesetzt. Über Nacht ist wieder Schnee gefallen und heute herrscht, bei starkem Wind, eine ganz gemeine Kälte.

Freitag, 9. März
War wieder mit auf der Strecke nach Versigny. Ging aber vormittags nach Hause, da noch genügend Unteroffiziere dort waren. Auch heute schneit es wieder, jedoch ist es nicht ganz so kalt, da es windstill ist.

Sonnabend, 10. März
Da ich mich am Hacken durchgerieben habe und dadurch schlecht laufen kann, blieb ich heute vom Bau zu Hause.

Sonntag, 11. März
Marschierte vormittags mit meinem Trupp nach Versigny, um dort ein kurzes, noch fehlendes Ende der Leitung fertig zu stellen. Gegen 2:00 Uhr waren wir fertig und marschierten ins Quartier. Das Wetter ist jetzt ziemlich warm und heut besonders schön, so daß der Schnee fast verschwunden ist. Es wird jetzt etwas lebhaft in unserer Gegend. Heute sind Quartiermacher eingetroffen und morgen soll schon neue Einquartierung kommen.

Montag, 12. März
Ein kurzes Stück der Leitung am Wegausgang nach La Fere fertig gestellt, danach am Gestänge nach Wegegabel Remies – Assis gearbeitet. Minenwerfer und Artillerie bezog heute in Monceau Quartier. Den Bewohnern wurde bekannt gegeben, daß sie diesen Ort zu verlassen hätten, worüber dieselben natürlich sehr jammern.

Dienstag, 13. März
Die vierte Doppelleitung aufder Strecke Monceau – Wegegabel Remis – Assis heute fertig gestellt. Aus meinem Quartier soll ich ausziehen, es ist vorgesehen für einen Intendantur Beamten. Vorläufig bleibe ich aber noch, bis derselbe kommt.

Mittwoch, 14. März
Sollte heute noch zwei Leitungen auf der gestrigen Baustrecke ziehen. Hatte mit vierzehn Mann gerade angefangen, als Befehl kam, erst nach Pont à Bucy zu marschieren und dort Leitungen zu ziehen.

Donnerstag, 15. März
Vormittags auf der Strecke Pont à Bucy – Versigny Leitungen gezogen.

Freitag, 16. März
Fuhr heute über Pont à Bucy – Nuvion à Chatilon nach Renanzares, um dort Trupp Fromm beim Feldkabelbau zu helfen. Kehrte nachmittags dann nach Monceau les Leups zurück. Mußte heute aus meinem Quartier ausziehen und zog zu meinen Trupp.

Sonnabend, 17. März
Auf der Strecke nach Versigny gearbeitet.

Sonntag, 18. März
Auf der Strecke nach Versigny grarbeitet.
Schlachteten uns abends drei Hühner, welche wir hier gekauft hatten. Waren mit dem Schlachten gerade fertig, als der Ortskommandant, ein Leutnant von der Infanterie, in unser Quartier kam. Das wir die Hühner gekauft hatten, glaubte er uns nicht, sondern beschlagnahmte sie und wir mußten sie sofort zur Ortskommandantur herunterbringen.

Montag, 19. März
Meldete heute den gestrigen Vorfall mit den Hühnern meinem Oberleutnant. Nachdem er festgestellt hatte, daß wir die Hühner tatsächlich gekauft hatten, begaben wir uns zum Ortskommandanten. Hier stellte sich heraus, daß der Ortskommandant die Hühner schon dem Verpflegungsoffizier übergeben hatte, angeblich damit der Hund des Ortskommandanten nicht dabei gehe. Gestern Abend um 11:00 Uhr haben wir die Hühner abgeliefert und heute 9:00 Uhr vormittags sind dieselben schon an den Verpflegungsoffizier weiter gegeben. Unser Oberleutnant wollte die Hühner nun wenigstens für den Zug zurück haben. Der Ortskommandant konnte nun nicht genau versprechen, ob dies noch möglich wäre. Aus dem ganzen Verhalten des Ortskommandanten gewann ich die Überzeugung, daß die Hühner schon längst im Kochtopf der Offiziere gewandert waren. Das Geld sollen wir ja wieder bekommen. Sonst soll aber alles auf sich beruhen bleiben. Ein Zeichen, daß da nicht alles richtig gehandhabt wurde.
Der Ortskommandant ist: Leutnant  N. N. der 9. oder 10. Kompanie des Landwehr Infanterie Regimentes 104.

Dienstag, 20. März
Marschierte über Remies nach Assis und zog dort Leitungen. Da ein sehr starker Wind bei kaltem Wetter, verbunden mit Schnee und Regen, herrschte, war es ein ganz miserables Arbeiten.
Erhielt heute die 7,50 Mark, für die drei Hühner. Es ist verwunderlich, wie schnell das ging.
Ein Zeichen dafür, daß da irgend etwas faul ist.

Mittwoch, 21. März
Blieb heut vom Bau zu Hause, um im Depot zu arbeiten.

Donnerstag, 22. März
Als wir früh aufstanden, war die Erde wieder mit einer Schneeschicht bedeckt, welche aber im Laufe des Vormittags, durch die Einwirkung der Sonne, schwand. Arbeitete auf der Strecke bei Versigny.

Freitag, 23. März
Auch heute morgen lag wieder Schnee. Arbeitete wieder bei Versigny, wo wir Querträger auszuwechseln hatten.
Nachmittags bekam ich plötzlich den Befehl nach Remies abzurücken, um dort einen Anschluß für die Ortskommandatur zu bauen. Marschierte gegen 7:00 Uhr abends ab und erhielt in Remies ein tadelloses Quartier, mit dem ganzen Trupp zusammen.

Sonnabend, 24. März
Fällte mit meinen Leuten heute Stangen für den Permanent Bau.

Sonntag, 25. März
Auch heute wieder Stangen gefällt. Bei dem schönen Wetter eine ganz angenehme Arbeit.    
Nachmittags kam die Nachricht, daß ich mich zum Abrücken bereit halten sollte, da unser Doppelzug fort soll. Gegen Abend kam auch unser Oberleutnant und brachte mir den Abmarschbefehl für morgen früh.

Montag, 26. März
Vormittags 8:00 Uhr marschierte ich mit meinem Trupp ab, zur Wegegabel Cuvron – Monceau les Leups, wo sich auch die anderen Trupps einfanden und der ganze Doppelzug gegen ½ 10:00 Uhr versammelt war und nun über Cuvron nach Crepy marschierte. Bei strömenden Regen waren wir bald völlig durchnäßt. Jetzt mussten wir erst stundenlang wegen der Quartiere herumrennen. Keine Quartiere waren für die Trupps zu finden, da fast alles von dem hier befindlichen General Kommando in Beschlag belegt war. In eine ganz saumäßige Bude zog ich mit meinem Trupp und kam endlich abends ½ 11:00 Uhr zur Ruhe.

Dienstag, 27. März
Sollten eine Feldkabeldoppelleitung nach Cessières bauen. Marschierten deshalb alle vier Trupps unseres Zuges nach Bucy les Cerny, von wo zwei Trupps nach Cessières bauten, während ich mit Trupp Albrecht nach Crepy zurück baute. Kamen heute bis zur Zuckerfabrik südlich Crepy.      

Mittwoch, 28. März
Stellten heute unsere Leitungen fertig, auch die beiden anderen Trupps wurden mit ihrer Strecke fertig.

Donnerstag, 29.März
Fuhren früh mit Autos über Bucy les Cerny – Cessières durch Suzy, von wo wir in Richtung Cessières an einem bestehenden Gestänge, eine Leitung zogen. Mußten den ganzen Tag im Regen arbeiten und kamen völlig durchnäßt ins Quartier.

Freitag, 30. März
Fuhren auch heute wieder nach Suzy, um im Walde östlich davon Stangen zu fällen und circa 1 ½ Kilometer Gestänge zu setzen. Zeitweise war Regen und auch Hagel.

Sonnabend, 31. März
Fuhren per Auto nach unserer gestrigen Baustelle und setzten Stangen und zogen Leitung bis kurz vor Prémontré.

13. August 2017

Februar 1917


In drei Tagen legte mein Großvater fast 900 km zurück, von Deutschland über Belgien nach Frankreich.


Donnerstag, 1. Februar
Abends wurde von uns im Erholungsheim ein Konzertabend veranstaltet, zum Besten der Feldgrauen von Kirchlinteln. Hatten sehr guten Besuch zu verzeichnen, leider machte die Polizeistunde (10:00 Uhr) dem Konzert ein frühes Ende.

Freitag, 2. Februar
Vormittags nach Verden zum Löhnungsappell gewesen. Nachmittags hielt ich Unterricht ab.

Sonnabend 3. Februar
Vormittags marschierten wir zur Ziegelei. Nach hier waren uns zwei Bauwagen herausgesandt worden. Errichteten in der Ziegelei Station und bauten dann in zwei Trupps, Unteroffizier Tepper mit einem Trupp nach Weitzmühle, ich mit dem anderen Trupp nach Scharnhorst. Um 12:00 Uhr wurde dann mit dem Abbau begonnen und wir kehrten nach Kirchlinteln zurück.

Sonntag, 4. Februar
Nachmittags nach Verden, zum Konzert im Viktoria Kaffee, gegangen. Vormittags waren
15 Grad Kälte.

Montag, 5. Februar
Erhielt heute von Walter eine Karte, daß er sich nicht mehr bei der Infanterie, sondern bei der Signalabteilung eines Fernsprechdoppelzuges befindet.

Dienstag, 6. Februar
Sollten erst Bauen. Der starken Kälte wegen, ließen wir die Bauwagen bis Kirchlinteln und hielten hier Unterricht ab. Nachmittags 1:00 Uhr fuhr ich mit den Bauwagen nach Verden und um 5:00 Uhr mit dem Verpflegungswagen nach Kirchlinteln zurück.

Mittwoch, 7. Februar
Nichts Besonderes.

Donnerstag, 8. Februar
Verschiedene von den Telegraphisten wurden heute ausgesucht, zwecks Ausbildung für A-Stationen.

Freitag, 9. Februar
Vormittags zur Ziegelei marschiert, dort Permanent-Bau geübt.

Sonnabend, 10. Februar
Mußten vormittags nach Verden, Löhnung empfangen. Dabei wurde uns mitgeteilt, daß wir alle für A- Stationen ausgebildet werden sollen. Nächste Woche soll der Kursus beginnen und müssen wir daher von Kirchlinteln nach Verden ziehen.

Sonntag, 11. Februar
Beim Mittagessen gab der Wirt Sewerin vom Erholungsheim, zwei Flaschen Wein für die Unteroffiziere aus. Als Abschiedsgabe, da wir unsere Quartiere hier bald verlassen. Nach längerer Kälte trat heute endlich Tauwetter ein.

Montag, 12. Februar
Abends veranstalteten wir einen Wohltätigkeits- und gleichzeitig Abschiedsabend. Hatten zu dem Konzert ganz guten Besuch und viel Beifall. Nach Schluß des Konzertes, ging ich zur Bahnhofswirtschaft von Dierks. Von unseren Musikern waren auch vier Mann dort, die ein Stück nach dem anderen spielten. Einige junge Damen aus Scharnhorst waren auch noch dort und bald wurde getanzt. Bis früh nach 5:00 Uhr saßen wir so zusammen und gingen dann mit Vizewachtmeister Flott, seiner Braut und vier anderen Damen nach Scharnhorst, wo Fräulein Müller in der Gastwirtschaft ihres Vaters gleich Kaffee kochte. Saßen bis 7:00 Uhr hier noch zusammen und gingen dann nach Kirchlinteln zurück. Um ¾ 8 Uhr glücklich dort anlangend.

Dienstag, 13. Februar
Die Sachen wurden gepackt und mittags um 2:00 Uhr sollten wir abrücken. Der Wagen für unser Gepäck kam aber nicht und wir konnten bis ½ 7 Uhr warten, ehe er kam. Dann ging es in der Dunkelheit los nach Verden, wo wir in der Kaserne untergebracht wurden.

Mittwoch, 14. Februar
Vormittags begann gleich unser Dienst mit Exerzieren. Danach Unterricht und Geben und Aufnehmen, durch Pausen unterbrochen, bis abends 5:00 Uhr. Ging abends noch mit Unteroffizier Lüthers nach dem Soldatenheim und danach zu Haases Gasthof.

Donnerstag, 15. Februar
Nach dem Dienst gingen wir abends nach dem Viktoria Kaffee zum Konzert.

Freitag, 16. Februar
Erhielt heute eine Korporalschaft zugeteilt, die 13.

Sonnabend, 17. Februar
Haben jetzt sehr schlechtes Wetter. Mal ist es etwas kalt, dann wieder wärmer und Regen und wenn es dann wieder kalt wird, sind die Straßen mit Glatteis überzogen. Das Spazierengehen, die einzige Erholung hier, ist somit eine richtige Qual.

Sonntag, 18. Februar
Vormittags war Kirchgang. Die Korporalschaftsführer brauchten, wegen der Stubendurchsichten, nicht mitzugehen. Beim Mittagessen taucht das Gerücht auf, daß alle, die in Kirchlinteln waren, zum Doppelzug 611 kämen und ins Feld rückten. Uns erschien es erst nicht glaublich, wegen des A-Kurses. Bei der Parole um 12:00 Uhr wurden wir aber doch eingeteilt und sollten sogar noch diese Nacht ins Feld rücken. Jetzt ging es nun ans Sachen empfangen. Bis zum späten Abend kamen wir nicht zur Besinnung. Abends mußte dann noch Kabel umgetrommelt werden. Zwischendurch ging ich mal zu Haases essen und war dann bis gegen 12:00 Uhr nachts beim Kabelumtrommeln. Dann wurden die Sachen gepackt und um ½ 3 Uhr konnte ich mich endlich auf drei Stunden schlafen legen.

Montag, 19. Februar
Der Vormittag ging mit Antreten und Sachen empfangen dahin. Um ½ 11 Uhr marschierten wir zum Bahnhof und um ½ 12 Uhr fuhren wir ab in Richtung Bremen. Hatte einen Platz mit zwei Unteroffizieren in einem Kupee 2. Klasse, wo wir es also ganz bequem hatten. Die Fahrt ging nun von Bremen über Osnabrück nach Münster, wo die erste Verpflegungsstation war. Dann fuhr der Zug über Düsseldorf–Neuss nach Kapellen.

Dienstag, 20. Februar
Vormittags 6:00 Uhr langten wir in Kapellen an, wo wieder Verpflegungsstation war. Dann ging es weiter über Düren – Eschweiler – Stollberg – Herbestal in Belgien hinein und weiter über Dölhain – Verviers – Enzival – Pepinster – Nesson – Vaux – Trooz – La Broeck – Chaude Fontaine – Hene – Chene nach Lüttich, hier gab es wieder Verpflegung. Dann ging es über Namur – Ronnet – Charleroi nach Jeumont, wo wir abends gegen 10:00 Uhr waren und Verpflegung erhielten.

Mittwoch, 21. Februar
Über Quentin–Fernier ging die Fahrt nach La Fère, welches unser Endziel war und vormittags gegen ½ 9 Uhr erreicht war. Jetzt wurde ausgeladen und dann marschierten wir über Dannzy nach Monceau Les Leups, wo wir Quartier bezogen.

Donnerstag, 22. Februar
Liegen nun hier circa 30 km hinter der Front und sollen Leitungen bauen, fingen auch heute gleich mit dem Ausheben der Löcher an.    

Freitag, 23. Februar
Arbeiteten heute an dem Gestänge, welches westlich Monceau vorbei gehen soll. Das Wetter ist etwas neblig, aber sonst ganz angenehm. Nur das auf den Feldern alles aufgeweicht ist und der Lehm an den Stiefeln kleben bleibt. Stellenweise finden wir beim Löchergraben auch Kalkstein, sodaß das Graben ziemlich viel Mühe macht.

Sonnabend,24. Februar
Die Baustrecke wurde heute geändert, wodurch über zwanzig schon gegrabene Löcher überflüssig wurden. Von Monceau Les Leups geht es jetzt bis zur Wegegabel, südlich Remies. Mit drei Mann fing ich an, die Strecke abzustecken, während acht Mann mit dem Graben begannen.

Sonntag, 25. Februar
Früh beim Antreten war es sehr kalt, auch hatte es die Nacht gefroren. Im Laufe des Vormittags änderte sich aber das Wetter, die Sonne kam hervor und wir hatten solch einen schönen Tag, wie wir ihn bisher hier noch nicht hatten. Da Sonntag ist, wurde nur bis 1:00 Uhr gearbeitet.

Montag, 26. Februar
Heute wurden wir mit dem Löchergraben auf unserer Strecke fertig.

Dienstag, 27. Februar
Begannen heute mit dem Stangenausfahren. Nachmittags ritt ich nach dem Waldstreifen bei Remies, um nachzusehen, ob dort zum Bau geeignete Bäume stehen.

Mittwoch 28. Februar
Mit drei Mann ging ich nach dem Walde südlich Remies und fällte dort Stangen.

3. Juli 2017

Januar 1917




Montag, 1. Januar 1917
Ein neues Jahr ist nun angebrochen. Wieder müssen wir es im Kriege und im Feindesland begehen. Möge es das letzte Mal sein und das nächste Neujahrsfest uns wieder in Frieden vereinen.
Persönlich bin ich ja noch krank, wenigstens was meine Hände betrifft und einige Zeit wird wohl vergehen, ehe dieselben in Ordnung sind. Vom Fieber aber schon frei, gedachte ich heute aus dem Revier entlassen zu werden. Aber der Stabsarzt kam nicht zur Visite. Hat wahrscheinlich auch zu sehr Neujahr gefeiert. Stand aber trotzdem auf und war fast den ganzen Tag bei meinem Trupp.

Dienstag, 2. Januar
Meinen heutigen Geburtstag so gut wie gar nicht gefeiert. Wurde aus dem Revier entlassen, nur meine Hände sind noch nicht gut. Versuchten nachmittags das erste Mal Kuchen zu backen. Geriet ganz gut.

Mittwoch, 3. Januar
Heute kamen schon Fernsprecher der 12. Infanterie Division an, welche uns hier ablösen.

Donnerstag, 4. Januar
Nachmittags setzte ein ziemlich starker Sturm mit Schneetreiben ein. Hoffentlich macht er uns nicht noch in letzter Stunde unangenehmen Schaden.

Freitag, 5. Januar
Mittags übernahmen die Fernsprecher der 12. Infanterie Division unsere Station.

Sonnabend, 6. Januar
Übergaben heute noch das übrige Material an die Fernsprecher der 12. Infanterie Division.

Sonntag, 7. Januar
Mittags wurden unsere Fahrzeuge nach Jelowka gebracht und morgen früh sollen wir verladen werden. Bald wurde dies aber geändert und es hieß, erst nachmittags 5:00 Uhr verladebereit zu sein. Um 6:15 Uhr marschierten wir endlich von Komarischki ab, nach Jelowka. Bis 10:50 Uhr mußten wir hier warten, ehe wir mit dem Verladen beginnen konnten. Als wir endlich soweit waren, erhielten wir zu wenig Eisenbahnwagen, so daß unsere Bauwagen auseinandergeprotzt und so dicht wie möglich, verladen wurden. Auch mit den Pferden war es das gleiche. Statt sechs waren in jedem Wagen sieben oder acht, ja sogar neun Pferde. Fertig mit dem Verladen, warteten wir auf einem anderen Gleise auf die Abfahrt, als mit einemmal ein russischer Flieger erschien und uns mit Bomben bewarf. Glücklicherweise traf er aber nichts. Es verlautet übrigens, daß unser Reiseziel geändert sei.   
Statt Frankreich, sollen wir Mitau als Reiseziel haben, da dort oben der Russe in unsere Stellungen eingedrungen sein soll.

Montag, 8. Januar
Nach 2:00 Uhr früh fuhren wir von Jelowka ab, über Radziwilischki–Schaulen und waren 9:00 Uhr abends in Mitau. Hier wurde alles ausgeladen und kurz nach 11:00 Uhr marschierten wir durch Mitau nach dem Rittergut Paulsgnade, hier Quartier beziehend.

Dienstag, 9. Januar
Blieben heute in Paulsgnade. Mittags baute ich mit meinem Trupp einen Teilnehmeranschluß für die Fernsprechzüge.

Mittwoch, 10. Januar
Vormittags 6:00 Uhr marschierten wir ab, über den Aa nach Elisenhof, wo wir Quartier bezogen und die Station für den Divisionsstab besetzten.

Donnerstag, 11. Januar
Die Station wurde umgebaut in einen kleinen Raum, welcher wohl früher als Rumpelkammer gedient hatte. Müssen den ganzen Tag darin Licht brennen.

Freitag, 12. Januar
Baute vormittags mit ein paar Mann eine Kabeldoppelleitung nach Wolgund, circa 2 KM. Mußten in den gefrorenen Boden Stangen setzen. Stellenweise lag der Schnee so hoch und lose, daß wir bis übers Knie, ja bis ans Gesäß einsanken.

Sonnabend, 13. Januar
Vormittags erfuhren wir, daß es in dem nahen Klivenhof Bier gäbe. Wir sandten von jedem Trupp einen Mann hin und jeder brachte glücklicherweise ein Achtel an. Nachmittags kam von „Kofe 8“ der Befehl, zwei ältere Unteroffiziere zur Fernsprech Ersatz Abteilung 6 nach Verden an der Aller abzugeben. Sergeant Balzer und ich sollen nun fort. Da wir nun Bier hatten, konnten wir gleich Abschied feiern.

Sonntag, 14. Januar
Vormittags kam Balzer mit seinem Trupp an. Gegen 2 ¼ Uhr nachmittags fuhren wir dann vom Elisenhof ab und waren gegen 4:00 Uhr in Mitau. Nachdem wir unser Gepäck abgegeben hatten, mußten wir uns zuerst „entlausen“ lassen, um den Entlausungsschein wenigstens zu haben. Gingen darnach ins Soldatenheim, etwas essen und trinken, und begaben uns wieder zum Bahnhof, wo wir 7:50 Uhr nachmittags abfuhren.

Montag, 15. Januar
War zu Anfang unser Wagenabteil wenigstens etwas warm, so war doch bald davon nichts mehr zu merken. Ganz durchfroren langten wir dann mit über einer Stunde Verspätung auf dem Alexanderplatz um 9:20 Uhr nachmittags an. Nachdem wir mit unserem Gepäck alles erledigt hatten, fuhr ich nach Hause. Mutter war nicht schlecht erstaunt, als ich gegen 11:00 Uhr plötzlich ankam.

Dienstag, 16. Januar
Machte im Laufe des Tages verschiedene Besuche. Erich Gottschalk war auch gerade auf Urlaub. Abends 7:18 Uhr traf ich mich mit Balzer auf dem Lehrter Bahnhof und wir fuhren in Richtung Hannover ab.

Mittwoch, 17. Januar
Nach 2:00 Uhr in Hannover angelangt, mußten wir bis nach 4:00 Uhr warten und konnten dann mit dem Bremer Zug weiterfahren, um kurz nach 7:00 Uhr in Verden anzukommen. Nachdem wir uns erst auf dem Bahnhof etwas gestärkt hatten, ging es zur Kaserne. Wurden in Bürgerquartier einquartiert und ich kam zu Wedekamp, Brunnenweg 14. Nachmittags ¾ 2 Uhr war antreten und ich wurde mit mehreren Unteroffizieren zu einem in Kirchlinteln befindlichen Doppelzuge eingeteilt. Balzer kam nach Hannover zum Rekruten ausbilden. Mußte nun mein Quartier wieder verlassen und um ½ 5 Uhr marschierten wir ab nach Kirchlinteln, welches circa 6 KM von Verden entfernt liegt. Kam auch hier in Bürgerquartier, mit einem Unteroffizier zusammen. Müssen auch zusammen in einem Bett schlafen. 

So sieht der Brunnenweg 14 in Kirchlinteln heute aus.

Donnerstag, 18. Januar
Mein Schlafkollege, Unteroffizier Tepper, quartierte sich heute wo anders ein, so daß ich in meinem Quartier allein bin.

Freitag, 19. Januar
Dienst scheint furchtbar wenig hier zu sein. Den ganzen Tag muß man sich herumdrücken. Zum Spazierengehen ist es zu kalt und im Erholungsheim ist es auch nicht besonders warm.

Sonnabend, 20. Januar
Nachmittags marschierten wir mit den Telegraphisten nach Verden zum Löhnungsempfang, Mußten hier ziemlich lange warten und um ½ 8 Uhr waren wir wieder in Kirchlinteln.
Heimaturlaub, den wir eingereicht hatten, haben wir nicht erhalten. Vorläufig abwarten. Wie lange, steht nicht fest. Vielleicht sind wir inzwischen wieder im Felde.

Sonntag, 21. Januar
Vormittags bis 11:00 Uhr geschlafen, gefrühstückt, dann gut Mittag gegessen. Nachmittags Briefe geschrieben, Kaffee getrunken, Abendbrot gegessen. Dann von ½ 8 Uhr bis kurz vor
12:00 Uhr nachts im Erholungsheim gesessen, mit Unteroffizieren Tepper und Lütters, immer ein Bier und ein Schnaps nach dem anderen getrunken, dann endlich schlafen gegangen und der Sonntag war herumgebracht. So muß man hier die Zeit verbringen, bald noch langweiliger als in Russland.

Montag, 22. Januar
Die Telegraphisten mußten vormittags nach Verden, zum Mantel verpassen. Wird höchste Zeit, daß dieselben ausgegeben werden, denn bei der jetzigen Kälte ist es ohne Mantel gar nicht auszuhalten, hatten wir doch heut Morgen 12 Grad Kälte.
     
Dienstag, 23. Januar
Nachmittags marschierte ich mit den Telegraphisten nach Verden, zum Stiefelempfang. Ging in Verden mit Unteroffizier Lütters noch ein bißchen Konditern.

Mittwoch, 24. Januar
Vormittags zum Übungsplatz marschiert, da das Depot geschlossen war, wurde mit den Telegraphisten exerziert. Nachmittags wieder Ausmarsch ins Gelände.

Donnerstag, 25. Januar
Nichts Besonderes.

Freitag, 26. Januar
Vormittags mit den Telegraphisten wieder zum Übungsplatz gewesen und exerziert.

Sonnabend, 27. Januar
Nachmittags mit Unteroffizier Albrecht und Tepper nach Verden gegangen. Dort im Viktoria Haus beim Konzert, einen Schoppen nach den anderen geleert und gegen 12:00 Uhr nachts auf den Weg nach Hause, d.h. nach Kirchlinteln gemacht, wo wir um 1:00 Uhr eintrafen.

Sonntag, 28. Januar
Abends war hier im Erholungsheim eine kleine Kaiser Geburtstagsfeier mit Vorträgen von den Schulkindern des Ortes. Die Aufführungen waren sehr nett und ein ganz gemütlicher Abend kam zustande.

Montag, 29. Januar
Erhielt heute früh einen Brief mit der Nachricht, vom Hinscheiden meiner Tante Emilie. Mittags kam auch noch ein Telegramm. War schmerzlich überrascht davon, da ich sie bei meiner Durchreise durch Berlin vor zehn Tagen, noch wohl und munter antraf. Versuchte nun Urlaub, zu dem morgigen Begräbnis zu bekommen. Wurde mir aber vom Hauptmann abgelehnt, da der Tod einer Tante kein dringender Grund wäre und Urlaub nur in dringenden Fällen erteilt werden darf, um die Bahnen möglichst wenig zu benutzen.

Dienstag, 30. Januar
Heut ist nun das Begräbnis von Tante Emilie. Die letzte Ehre kann ich ihr leider nicht erweisen, aber meine Gedanken weilen bei ihr.   

Mittwoch, 31. Januar
Großmutter feiert heute ihren 80. Geburtstag.