11. September 2016

Mai 1916

Im Mai fällt immer noch etwas Schnee in Komarischki.


Montag, 1. Mai
Heute wurden die Uhren eine Stunde vorgestellt, haben nun die neue Sommerzeit.

Dienstag, 2. Mai
Hatten den ganzen Tag Apparate zu reparieren. Nachts bauten wir dann die Blitzschutzsicherungen ein, was bis nach 2.00 Uhr morgens dauerte.

Mittwoch, 3. Mai
An den Einbau der Blitzschutzsicherungen gearbeitet. Abends kam Hauptmann Grützner vom Armeeoberkommando.

Donnerstag, 4. Mai
Ritt früh 4.00 Uhr zum Gefechtsstand des Infanterie Regiments 44, dort den Klappenschrank zu reparieren und einzubauen. Auf dem Rückwege, noch in Schödern, den Klappenschrank in Ordnung gebracht.
 
Freitag, 5. Mai
Warkall fuhr heute auf Urlaub.
 
Sonnabend, 6. Mai
Die Pferde heute das erste Mal auf die Weide geführt.

Sonntag, 7. Mai
Verlebten den Sonntag sehr ruhig, lebhaft bedauernd, bei solch schönen Wetter hier sitzen zu müssen.

Montag, 8. Mai
Bauten heute noch an unserer Laube.

Dienstag, 9. Mai
Früh zum Proviantempfang nach Jelowka gefahren. Ging noch zur Güterstelle der 2. Infanterie Division und hatte auf dem Wege einen Zusammenstoß mit einem Feldwebel vom Reserve Infanterie Regiment 3. Nach dem Empfang beim Feld Artillerie Regiment 1, den Klappenschrank in Ordnung gebracht und nach Lassen mit ran geritten.
 
Mittwoch, 10. Mai
An unserer Laube gearbeitet.

Donnerstag, 11. Mai
Nichts Besonderes.

Freitag, 12. Mai
Heute kamen die Bänke in unsere Laube. Jetzt wird sie ja bald fertig sein.

Sonnabend, 13. Mai
Jetzt haben wir auch den Tisch schon in der Laube. Außer kleinen Verbesserungen, ist sie nun perfekt fertig. Leider ist jetzt ziemlich kaltes und schlechtes Wetter, sieht gar nicht nach Maienwetter aus. Heute hagelte es und es fiel sogar Schnee, der natürlich gleich schmolz. Heute gegen Cholera geimpft.


Sonntag, 14. Mai
Heute fiel auch wieder Schnee, auch regnete es den ganzen Tag.

Montag, 15. Mai
Nichts Besonderes.

Dienstag, 16. Mai
Der Oberstkommandierende von Scholz besuchte heute unsere Division und verteilte dabei verschiedene "Eiserne Kreuze". Von meinem Trupp erhielt Kipf dasselbe, da er beim Infanterie Regiment 33, das Kabel verlegt hat und während der ganzen russischen Angriffe, vorn im Graben war.

Mittwoch, 17. Mai
Nichts Besonderes.

Donnerstag, 18. Mai
Legten uns heute bei unserem Stall einen Gemüsegarten an.

Freitag, 19. Mai
Früh ½ 4 Uhr hatten wir schon russischen Fliegerbesuch, welcher bis über unser Quartier hinaus kam, aber dann vertrieben wurde.

Sonnabend, 20. Mai
Heute erklärte mir der Leutnant, daß ich morgen zum Infanterie Regiment 33 muß, das Leitungsnetz auszubauen.

Sonntag, 21. Mai
Gegen 11.00 Uhr fuhr ich mit dem Leutnant über Charlottenhof zum Gefechtssand des Infanterie Regimentes 33. Der Leutnant kehrte zurück, während ich mich bei den hier befindlichen Signalisten einquartierte.
 
Montag, 22. Mai
Während es gestern ziemlich angenehmes Wetter war, ist es in der Nacht umgeschlagen und es regnete ziemlich stark, bis zum späten Vormittag. Besichtigte die Leitungen im Bereich des 3. Batallions, bis in die vordersten Stellungen. Auch einen von den Russen gesprengten Trichter besichtigten wir.

Dienstag, 23. Mai
Vormittags die Leitungen in den Gräben der 6. und 7.Kompanien besichtigt.

Mittwoch, 24. Mai
Heute kam Leutnant Bornhäußer heraus, blieb aber nicht lange und ritt bald wieder fort. Besichtigte noch die Leitungen des 1. Batallions.

Donnerstag, 25. Mai
Früh in den Gäben des 3. Batallions Infanterie Regiment 33 gewesen, dabei einige Aufnahmen gemacht. Nachmittags ging ich nach Charlottenhof. Nach Rückkehr von dort, zu den Stationen 1. und 3. Batallion Infanterie Regiment 33 herangegangen.
 
Freitag, 26. Mai
An den Leitungen vom 3. Batallion gearbeitet.

Sonnabend, 27. Mai
Vormittags an den Leitungen des 2. und 3. Batallions gearbeitet. Nachmittags ging ich nach Sacharowka–Ost, erwartete dort den Leutnant und fuhr mit ihm nach Komarischki, wo wir Sonntag über bleiben werden.

Sonntag, 28. Mai
Telegraphist Schölzel, welcher früher unserem Zuge angehörte, jetzt aber beim Generalkommando war, ist beim Leitungsbau beim Infanterie Regiment 44 gefallen und wurde heute auf dem dortigen Friedhof beerdigt.

Montag, 29. Mai
Vormittags abmarschiert, fast mit meinem ganzen Trupp. Kipf und Priebe gehen zum 1. und 3. Batallion Grenadier Regiment 4, Greulich und Tomaczewski zum 2. Batallion Grenadier Regiment 4, während ich wieder zum Füsilier Regiment 33 gehe, dort die Doppellleitungen auszubauen.

Dienstag, 30. Mai
Beim 3, Batallion heute alles auf Doppellleitung geschaltet, nur noch einige kleine Änderungen und ein Batallion ist wenigsten fertig.

Mittwoch, 31. Mai
Bei der 6. und 7. Kompanie vorgearbeitet.

26. Juli 2016

April 1916



Buch 3    Angefangen: 1. April 1916

Fritz Schilling               
Unteroffizier der Reserve 2. Infanterie Division
Fernsprech-Abteilung 1.3. Zug
                                   
Ab 18. Februar 1917 Fernsprech Doppelzug 611

Berlin N. 28
Swinemünderstr. 57


Sonnabend, 1. April
Hatten vor unserem Quartier zu arbeiten, um Abzugskanäle für das Tauwasser zu schaffen. Auch kamen die Minenwerfer mit einer neuen Leitung.

Sonntag, 2. April
Ein herrlicher Tag heute. Der Schnee ist schon bald verschwunden und die Wege werden so langsam trocken. Der Divisionsstab hatte heute Damenbesuch, die drei Schwestern vom Soldatenheim in Jelowka waren eingeladen und erschienen.
Heute vor zwanzig Monaten begann nun der Krieg und noch ist kein Ende abzusehen. Im Gegenteil, es kommt heute die Nachricht, daß Holland wahrscheinlich auf die Seite unserer Feinde treten wird, wodurch die Dauer des Krieges wieder verlängert wird.                                                     

Hier eine interessante Seite über die Rolle der Niederlande im Ersten Weltkrieg 
                              
Montag, 3. April
Benutzten das schöne Wetter, um Draussen zu arbeiten.

Dienstag, 4. April
Heute Nachmittag wieder mal gebadet. Machten gegen Abend noch einen Spaziergang nach dem Walde.

Mittwoch, 5. April
Machte heute eine interessante Aufnahme auf einem Panjepferd.


Donnerstag, 6. April
In der Nacht ist das uns vom 10. Armee Kommando zugeteilte Feldlazarett 3 in Annenhof abgebrannt. Wobei leider drei Mann verbrannten.

Freitag, 7. April
Die Post blieb heute aus, da wieder einmal der Zug verunglückt sein soll.

Sonnabend, 8. April
Bei Hauptmann Bath den Apparat umgebaut.

Sonntag, 9. April
Bullemer kam heute vom Bau zurück.

Montag, 10. April
Sollten permanente Leitungen nachziehen und verbessern. Mit fünf Mann ging ich um 7.00 Uhr vormittags los, über Hohenberg nach Puschkowka. Von hier gingen wir am Gestänge entlang nach Unduli. Die ganzen Stangen stehen miserabel, doch ist jetzt nicht viel zu machen, da immer noch Frost in der Erde ist. Dazu war den Vormittag ein sehr schlechtes Wetter. Wir beseitigten notdürftig alle Störungen, zogen die Leitungen etwas nach und kamen so nach Schödern. Von hier gingen wir über Jelowka, der Bahn entlang, zurück nach Komarischki. Hatten den Tag annähernd vierzig Kilometer zurückgelegt, zum Teil bis ans Knie im Dreck watend und waren totmüde als wir in Komarischki ankamen.  

Dienstag, 11. April
Von der gestrigen Gewalttour noch sehr müde, mußte ich nachmittags nach Laßen reiten. Dort den Klappenschrank in Ordnung bringen, desgleichen auch in Pastorat.

Mittwoch, 12. April
Nichts Besonderes.

Donnerstag, 13. April
Lag heute den ganzen Tag zu Bett, etwas erkältet.

Freitag, 14. April
Die Russen versuchten in der Nacht beim Infanterie Regiment 33 durchzubrechen. Wurden aber glatt abgeschlagen.

Sonnabend, 15. April
Heute Abend und in der Nacht belegte der Russe unsere Stellungen beim 10/Infanterie Regiment 33 mit Artilleriefeuer und griff auch mehrmals an. Wurde aber stets abgeschlagen,

Sonntag, 16. April
Den ganzen Tag über schoß der Russe. Wir haben jetzt eine neue Beschäftigung in unserer freien Zeit: "Hechtstechen". In unserem nahen See wird es jetzt eifrig betrieben. Auch Birkensaft wird gesammelt.

Montag, 17. April
Vormittags hatte ich Apparate zu reparieren und im Stabsgebäude nachzusehen. Nachmittags ging ich zur Bahn, wo das permanente Gestänge verbessert wurde.

Dienstag, 18. April
Auch heute am Permanent Gestänge der Bahn gearbeitet. Hatten mehrere Anker zu setzen, auch neue Stangen. Bei dem schönen Wetter eine ganz angenehme Beschäftigung.

Mittwoch, 19. April
Hatten den ganzen Tag mit der Verbesserung des Permanent Gestänges zu tun.

Donnerstag, 20. April
Vormittags am Gestänge zur Bahn gearbeitet. Nachmittags mußten Greulich und Tomaczewski nach Usjany fahren. Gegen Abend mußte ich noch nach Aschaschuli reiten, einen neuen Klappenschrank einbauen. Kehrte erst ziemlich spät von dort zurück.

Freitag, 21. April
Hatten nachmittags Gottesdienst und mussten denselben besuchen.

Sonnabend, 22. April
Nachmittags waren die Leitungen am neuen Gestänge, nach der Bahn zu, gestört.
Eine Stange war umgefallen, trotzdem sie verstrebt war und eine andere lag auch fast ganz um. Hatten bis in die Dunkelheit zu tun, um die Leitung gebrauchsfähig zu machen.

Sonntag, 23. April
Früh mußten ein paar Mann die Leitung am gestern reparierten Gestänge nachziehen. Bei herrlichem Wetter ein schöner Ostersonntag. Schade nur, daß man ihn nicht zuhause verleben kann.

Montag, 24. April
Am Vormittag kamen russische Flieger nach Jelowka, wo sie trotz starker Beschießung mehrere Bomben warfen, ohne großen Schaden anzurichten. Von unserem Quartier aus, konnten wir den Luftkampf gut beobachten. Nachmittags mußte ich nach Laßen reiten, den Klappenschrank nachsehen. Ritt nachher noch nach Jelowka hinüber und kehrte gegen 9.00 Uhr nach Komarischki zurück.

Dienstag, 25. April
Fünf Mann mußten nach Unduli beim Feld Artillerie Regiment 37 das Permanent Gestänge in Ordnung bringen.

Mittwoch, 26. April
Ritt früh mit dem Leutnant fort, zuerst zur Ballonabwehrkanone "60 West", dann nach Schödern, zu den Regiments Stäben des Infanterie Regiment 44 und Grenadier Regiment 4, um dann zum Gefechtsstand des Infanterie Regiments 44 weiter zu  reiten. Von hier gingen wir zu Fuß, bis in die vorderste Stellung und durch die Gräben der einzelnen Kompanien, um uns über die Fernsprechleitungen zu informieren. Ritten dann über Schödern zurück und kamen gegen ½ 8 Uhr abends in Komarischki an.

Donnerstag, 27. April
Begannen heute mit der Anlegung eines Gartens vor unserem Quartier.

Feitag, 28. April
Im Stabsgebäude alle Zusatzkästen aus- und neue Feldfernsprecher eingebaut.

Sonnabend, 29. April
An unserem Gartenzaun gearbeitet.

Sonntag, 30. April
Der berittene Trupp kam heute nach Jelowka, dafür erhielten wir zwei Signaltrupps vom Generalkommando.

4. Juni 2016

März 1916



Nun sind schon zwei solcher Bücher im Kriege vollgeschrieben.
Wie weit wird es mit dem dritten Buch werden?

Wird es auch, trotz der kurzen Notizen, vollgeschrieben werden, oder wird der Krieg bis dahin schon ein Ende  haben?                      

Hoffen will ich jedenfalls, daß es der Fall sein möge.         

Es ist ja auch ziemlich das Einzige, was man in diesem Völkerringen nicht verlieren darf. "Die Hoffnung" in zweierlei Form: Auf baldigen Frieden und gesunde Heimkehr.


31. März 1916
Fritz Schilling



Mittwoch, 1. März
Nichts Besonderes.

Donnerstag, 2. März
Nichts Besonderes.

Freitag, 3. März
Gegen Mittag ging ich auf Schneeschuhen nach Aschaschuli, dort den Klappenschrank nachzusehen und kehrte gegen 3.00 Uhr zurück.

Sonnabend, 4. März
Tomaczewski kehrte heute vom Urlaub zurück. Legten heute Starkstromleitungen und hatten abends Elektrisch Licht.

Sonntag, 5. März
Fing heute mit französischem Unterricht an, Barczijewski als Lehrer.

Montag, 6. März
Nichts Besonderes.

Dienstag, 7. märz
Nachmittags Schneeschuh gelaufen.

Mittwoch, 8. März
Tyrakowski und Tomaczewski mußten mit Unteroffizier Fleischer zum Bau mitgehen.

Donnerstag, 9. März
Gegen Abend kamen Tyrakowski und Tomaczewski zurück, sollen jedoch morgen wieder fort.

Freitag, 10. März
Nachmittags etwas Schneeschuh gelaufen.

Sonnabend, 11. März
Bauten heute den Anschluß von Hauptmann Fleck als Doppelleitung aus.

Sonntag, 12. März
Gestern war Werner auf Leitungspatrouille nach Weißensee, fand aber nicht die Störung. Er mußte mit Schaack gleich wieder fort gehen. Die Beiden waren die ganze Nacht und den ganzen Tag unterwegens und konnten die Leitung doch nicht in Ordnung bringen. Morgen soll ja nun die neu gebaute Doppellleitung Weißensee – Jelowka angelegt werden.

Montag, 13. März
Badete heute zum ersten Male in der neuen Divisionsbadeanstalt.

Dienstag, 14. März
Nichts Besonderes.

Mittwoch, 15. März
Nichts Besonderes.

Donnerstag, 16. März
Nichts Besonderes.

Freitag, 17. März
Bin nachmittags nach Jelowka geritten und kehrte gegen ½ 6 Uhr zurück.

Sonnabend, 18. März
Nichts Besonderes.

Sonntag, 19. März
Nichts Besonderes.

Montag, 20. März
Nichts Besonderes.

Dienstag, 21. März
Telegraphist Mackel sollte heute auf Urlaub fahren, da er gestern ein Telegramm erhielt, daß seine Mutter schwer krank sei. Jetzt stellt sich heraus, daß die ganze Sache Schwindel ist und statt in Urlaub wird er wohl ins Kittchen gehen.

Mittwoch, 22. März
Vormittags die Leitungen auf dem Gut nachgezogen.

Donnerstag, 23. März
Nichts Besonderes

Freitag, 24. März
Erhielt heute den Auftrag, morgen zum Feld Artillerie Regiment 1 zu reiten, um dort einen neuen Klappenschrank einzubauen.

Sonnabend, 25. März
Ritt um 8:00 Uhr vormittags zum Feld Artillerie Regiment 1. Nach Beendigung des Einbaus, besuchte ich noch die 3. Infanterie Brigade, sowie die Feld Artillerie Brigade
und kehrte abends etwas angeheitert zurück.

Sonntag, 26. März
Ein selten schöner Tag heute, nur wird meine Stimmung durch den gestern geholten Brummschädel etwas niedergedrückt.

Montag, 27. März
Nachdem gestern solch schönes Wetter war, ist es heute gerade das Gegenteil. Schnee und Regen den ganzen Tag.

Dienstag, 28. März
Heute ist wieder sehr schönes Wetter und so arbeiteten wir vor unserem Quartier, indem wir den ganzen Schmutz fortschafften.

Mittwoch, 29. März
Nichts Besonderes.

Donnerstag, 30. März
Ritt mit Greulich zusammen nach Lowieden, dort einen Teilnehmeranschluß als Doppellleitung ausgebaut. In Witkuschki darauf Besuch abgestattet und darnach in Aschaschuli den Klappenschrank umgebaut. Kehrte erst nach 5:00 Uhr zurück. Bei prächtigen Sonnenschein, war es eine ganz angenehme Abwechslung.

Freitag, 31. März
Heute auch wieder schönes Wetter. Es taut jetzt mit Macht. Die Wege, besonders in Tälern, fast unpassierbar. Der Schnee ist zum größten Teil verschwunden und bald wird es wohl grünen.

                                  
                       
            Nun sind schon zwei solcher Bücher im Kriege vollgeschrieben.
            Wie weit wird es mit dem dritten Buch werden?
            Wird es auch, trotz der kurzen Notizen, vollgeschrieben
            werden, oder wird der Krieg bis dahin schon ein Ende      
            haben?                      
            Hoffen will ich jedenfalls, daß es der Fall sein möge.         
            Es ist ja auch ziemlich das Einzige, was man in diesem
            Völkerringen nicht verlieren darf. "Die Hoffnung" in zweierlei Form:
                                                
            Auf baldigen Frieden und gesunde Heimkehr.

             31. März 1916
             Fritz Schilling