19. November 2017

Juli 1917

In seinem Militärpass hat mein Großvater die Schlachten bis Mai 1917 vermerkt, danach nicht mehr.


Sonntag, 1. Juli
Bis Mittag waren wir fertig mit der Arbeit. Morgen sollen wir nun abrücken von hier, wieder nach Crepy.

Montag, 2. Juli
Früh wurden die Sachen gepackt. Gegen 8:00 Uhr kamen die Pferde und Wagen aus Marchais. Nachdem alles verladen war, erfolgte kurz vor 9:00 Uhr der Abmarsch über Laon nach Crepy. Hier trafen wir nach 1:00 Uhr ein und bezogen Quartier.

Dienstag, 3. Juli
Hatten gleich wieder Arbeit. Ich muß mit Tepper zusammen zwei Doppelleitungen bis zur Bahn bei Vivaise (2 km) ziehen. Hatten heute mit dem Einschrauben der Stützen und Auslegen des Drahtes zu tun. Nachmittags sollte erst Exerzieren sein, statt dessen war aber Baden und Entlausung. Letzteres war für viele eine dringende Notwendigkeit. 
Mittwoch, 4. Juli
Zogen heute beide Leitungen bis zur Bahn bei Vivaise fertig. Abends war Exerzieren.
   
Donnerstag, 5. Juli
Mit Tepper seinem Trupp hatte ich eine Kabeldoppelleitung zwischen Cuvron und Puilly abzubauen. Marschierten erst nach Cuvron (4 km) und hatten eine ganze Zeit mit dem Suchen der Leitung zu tun. Stellenweise fehlte das Kabel ganz, oder es war nur eine Leitung vorhanden. Trotzdem war die sechs Kilometer lange Strecke bald zurück gelegt und wir konnten gegen ½ 12 Uhr den Rückmarsch antreten. Trotz unserer zurückgelegten zwanzig Kilometer, mußten wir dann noch am Exerzieren teilnehmen. Der ganze Zug soll ja jetzt einen Tag einmal Scharfschießen haben. 

Freitag, 6. Juli
Der ganze Zug wurde heute auf der Strecke nach Vivaise – Chery angesetzt. Sollten die Stangen nachstampfen, Anker nachspannen usw. Offenbar alles nur eine Arbeit, um den Zug zu beschäftigen. Ruhe gibt es überhaupt bald nicht mehr. Heute ist wieder von 4:30 - 6:00 Uhr nachmittags Exerzieren und von 8:00 - 9:00 Uhr abends Instruktion.

Sonnabend, 7. Juli
Fingen heute mit dem Bau einer neuen Strecke von Bucy les Cerny nach dem Munitionsdepot Dandy Ferme an. Ich fluchtete die Strecke aus und ließ Löcher graben.

Sonntag, 8. Juli
Vormittags war Kirchgang. Abends ging ich mit Albrecht und Witkowski ins Kino. Da so wunderbar „gespielt“ wurde, haben wir alle drei vorläufig genug vom Kintopp.

Montag, 9. Juli
Vormittags auf der Baustrecke gearbeitet, Löcher gegraben. Nachmittags hatte der 2. Zug Baden, während der 1. Zug Scharfschießen hatte.

Dienstag, 10. Juli
Die restlichen Löcher wurden fertig gestellt und gleichzeitig wurde mit dem Setzen der Stangen begonnen. Nachmittags hatten wir Schießen, 200 Meter stehend aufgelegt. Ich schoß 7 – 6 – 12, also 25 Ringe. Ein späterer Probeschuß ebenfalls 12 und stehend freihändig eine 9.

Mittwoch, 11. Juli
Setzten weiter Stangen und gleichzeitig ließ ich Isolatoren einschrauben.

Donnerstag, 12. Juli
Beim Bau die letzten Stangen gesetzt. Ein Mann von jedem Zug mußte den Bauwagen in Ordnung bringen und streichen. Angeblich sollen wir Montag von hier fortkommen. Die widersprechensten Gerüchte über die Gegend, nach der wir kommen, sind natürlich schon im Umlauf. Einmal ist es Flandern, dann Rußland usw. Nachmittags mußte der ganze Zug an den Wagen arbeiten. Die Farbe wurde immer „Töpperweise“ geholt, so daß eine tolle Anstreicherei zu Stande kam.

Freitag, 13. Juli
Die Leitung zum Munitionsdepot wurde heute fertig. Nachmittags war Appell und prüfen der Gasmasken im Stinkraum.

Sonnabend, 14. Juli
Vormittags Exerzieren. Nachmittags erst Baden, darnach Gesundheitsbesichtigung. 

Sonntag, 15. Juli
Vormittags 11:00 Uhr war Antreten. Trotzdem auf der Schreibstube schon alles wußte, daß wir morgen verladen werden, wurde doch ein ziemlich langer Dienstzettel für morgen verlesen. Nachmittags kam dann aber doch der Bescheid, morgen Vormittag 9:00 Uhr abmarschbereit zu sein. Erneutes Antreten vor der Schreibstube. Vizewachtmeister Aldenhof, gestern erst vom Urlaub zurückgekehrt, prangte wieder in seiner Hilflosigkeit und warf nur die Befehle so durcheinander. Es herrscht vom Oberleutnant herab bis zu den Wachtmeistern, wegen solch einem gewaltigen Transport, eine Aufregung, die man nicht verstehen kann. Aber es ist ja schon nichts Neues bei unserm Doppelzug. Über das Ziel der Reise sind natürlich die tollsten Latrinengerüchte im Umlauf. Einmal ist es Metz, wo wir angeblich mit der Fernsprechabteilung 723 zusammengeworfen werden, dann wieder heißt es Rußland, dann bestimmt Galizien, beim 2. Österreichischen Korps und endlich auch noch Hirson, wo wir neu formiert werden sollen. Also heißt es abwarten, ob überhaupt etwas davon zutreffen wird. Abends war ich mit Albrecht im Kintopp. Trotzdem wir eigentlich nach dem miserablen Programm des vorigen Sonntags, nicht mehr hingehen wollten, taten wir es doch zum Abschied und es tat uns dann auch leid, es getan zu haben.

Montag, 16. Juli
Vormittags 9:00 Uhr mußten wir abmarschbereit stehen und marschierten dann nach dem Bahnhof Crepy-Couvron. Unser Oberleutnant hatte natürlich in seiner Aufgeregtheit Unsinn fabriziert und statt für siebzehn Bauwagen Eisenbahnwagen zu bestellen, für den ganzen Doppelzug nur siebzehn Wagen bestellt. Ein paar Wagen konnten von Laon noch herüber gesandt werden und unsere Bauwagen mußten auseinandergeprotzt und so dicht als möglich verladen werden. Um 12:00 Uhr fuhren wir ab, über Laon nach Hirson, wo wir ausgeladen wurden. Schon während der Fahrt fühlte ich mich krank und fieberte, so daß ich mich, als wir Quartier bezogen hatten, gleich hinlegen mußte. Hatte mit Albrecht zusammen eine ganz gemütliche, wenn auch einfache Stube.


Dienstag, 17. Juli
Lag den ganzen Tag im Bett, da ich morgens noch 38,8° Fieber hatte.
Der Zug brauchte noch nicht zu Bauen Wir sind hier der A. F. A. 107 unterstellt und sollen morgen nach einem anderen Ort wandern.

Mittwoch, 18. Juli
Früh 7:00 Uhr stand der Doppelzug abmarschbereit, um nach dem 10,5 Kilometer entfernten
Ort Macquenvise zu marschieren, welcher dicht an der Grenze, aber schon jenseits auf belgischem Gebiet liegt. Kamen gegen 10:00 Uhr hier an und bezogen Quartier. Ich erhielt ein ganz gutes Zimmer, bei einem Ehepaar.

Donnerstag, 19. Juli
Der Zug fing heute an, ein Gestänge von hier nach Hirson zu bauen. Da ich noch krank bin, schlief ich bis nach 10:00 Uhr und ging dann in den Wald, Himbeeren pflücken. Aß mich ordentlich satt daran und brachte noch ein ganzes Kochgeschirr voll mit nach Hause.

Freitag, 20. Juli
Fühlte mich, wenn auch noch etwas matt, so doch schon ziemlich gesund. Vormittags und Nachmittags war ich im Wald, Himbeeren pflücken.

Sonnabend, 21. Juli
Machte noch keinen Dienst mit. Meldete mich erst nachmittags gesund, nachdem ich vormittags wieder nach Himbeeren war. Konnte mir auch heute Kartoffeln besorgen und abends nach langer Zeit einmal wieder Kartoffeln essen.

Sonntag 22. Juli
Gebaut wurde nicht. Außer vormittags eine Stunde Unterricht und Waffenappell, war kein Dienst, so daß man ausreichend Gelegenheit hatte, nach dem Wald, in die Himbeeren zu gehen.              

Montag, 23. Juli
War heute zum Bau mit und hatte mit drei Mann die Strecke weiter abzustecken. Eine angenehme Arbeit.

Dienstag, 24. Juli
Beim Bau mit Albrecht zusammen die Aufsicht beim Löchergraben gehabt.

Mittwoch, 25. Juli
Hatte heute Stangen aus dem Wald tragen und an die Löcher bringen lassen. In Rußland geht ja nach den neuesten Meldungen die Offensive gut los. Auch scheint es auf der ganzen Front lebhaft zu werden. Ob dies zur Beendigung des Krieges beitragen wird? Die Hoffnung besteht allgemein. 

Ob mein Großvater die Kerenski-Offensive hier meint?  

Donnerstag, 26. Juli
Fing heute mit neun Mann mit dem Verstreben des Gestänges an. Jede vierte Stange soll an der Seite und jede fünfte Stange in der Linie verstrebt werden. Während an der Seite, wegen der Straße, allgemein Deckanker gesetzt werden müssen, soll dies auch in der Linie geschehen. Anstatt Doppelanker oder Doppelstreben, wie es richtig wäre. Mittags kam der Hauptmann von der A.F.A. 107, der wir unterstellt sind, im Auto die Straße entlang und hatte verschiedenes zu monieren. Hauptsächlich, die Stärke der Stangen.

Freitag, 27. Juli
Auf Strecke wieder verstrebt. Unteroffizier Reinstein war mit und soll die Arbeit weiter führen, da ich jetzt auf vier Tage Küchenunteroffizier bin.

Sonnabend, 28. Juli
Habe heute den ersten Tag Küchendienst. Nur unangenehm, daß man um 4:00 Uhr schon aufstehen muß. Kochte Reis mit Rindfleisch.

Sonntag, 29. Juli
Vormittags hatte ich wieder in der Küche zu tun, um das Mittagessen, Weiße Bohnen mit Rindfleisch, fertig zu stellen. Nachmittag kamen verschiedene Gewitter, sodaß an Spazierengehen nicht zu denken war.

Montag, 30. Juli
Auch wieder in der Küche gearbeitet.

Dienstag, 31. Juli
Heute den letzten Tag in der Küche. Morgen löst mich Tepper ab. Bin nicht ganz auf dem Posten. Anscheinend etwas erkältet und Durchfall.

4. November 2017

Juni 1917



Im April 1917 hat mein Großvater das vierte Tagebuch begonnen

Freitag, 1. Juni
Vizewachtmeister Aldenhoff und Unteroffizier Kraus kamen von Crepy herüber gefahren und brachten Löhnung und Post.

Sonnabend, 2. Juni
Da heute nichts zu tun war, verbrachten wir den Tag äußerst langweilig.

Sonntag, 3. Juni
Hatten heute zu Bauen. Während ich mit meinem Trupp eine Kabeleinfachleitung vom Divisionsgefechtsstand im Waldlager nach der Lichtsignalstation bei Coucy les Eppes zog  (circa 3 km), bauten die übrigen Permanent Leitung. Gegen 12:0 Uhr war ich schon fertig mit dem Bau.
Abends kam unser Oberleutnant her und teilte mir dabei mit, daß ich Morgen auf Urlaub fahren könnte. Wer war glücklicher, als ich, so frühzeitig schon fahren zu können.
Unteroffizier Lüther, welcher erst vor mir fahren sollte, bekam keinen Urlaub, da der Oberleutnant mit seinen Leistungen nicht zufrieden war.   
 
Montag, 4. Juni
Vormittags wurde gepackt und dann ging es gegen 1:00 Uhr, mit noch zwei Mann meines Zuges, zum nahen Bahnhof, von wo uns der Zug nach Laon brachte. Hier erhielten wir unsere Urlaubsscheine und das Geld und um 3.00 Uhr dampften wir ab, über Charleville – Lüttich - Namur – Herbesthal nach Cöln.

Dienstag, 5. Juni
Gegen 8 ½ Uhr morgens langten wir mit circa zweistündiger Verspätung in Cöln an. Da der Urlauberzug nach Berlin gewartet hatte, konnte ich mit demselben gleich weiter fahren, im Abteil 2. Klasse. In Hannover ließ ich noch ein Telegramm aufgeben und nach 8:00 Uhr abends war ich auf dem Alexanderplatz, von wo Mutter mich abholte.

Mittwoch, 6. Juni bis Sonnabend 16. Juni 1917
Verbrachte die Urlaubszeit so angenehm wie möglich. Viel ist ja nicht mehr los in Berlin. Die Vergnügungen nicht viel wert, um 10:00 Uhr, spätestens ½ 11 Uhr, ist Schluß und alles übrige furchtbar teuer. Besuchte auch der Reihe nach alle Verwandten, von denen übrigens die meisten zu Els`chens Geburtstag am 7. Juni zu uns kamen. War auch mal Turnen, zur Damenabteilung. Viel zu schnell ging die Urlaubszeit, bei schönsten Wetter, vorüber. Am Freitag kam auch mein Bruder auf Urlaub und so konnte ich wenigstens mit ihm über die immer noch nicht erledigte Erbschaftssache sprechen. Sonnabend war die Urlaubszeit vorbei und abends 9:00 Uhr fuhr ich vom Alexanderplatz wieder ab in Richtung Cöln.

Sonntag, 17. Juni
Vormittags gegen ½ 9 Uhr in Cöln-Deutz angelangt, hatte ich gleich Anschluß nach Laon und fuhr nach ein paar Minuten Aufenthalt, wieder über Herbesthal – Namur – Lüttich – Charleville nach Laon.

Montag, 18. Juni
Mitternacht kurz nach 12:00 Uhr langte ich in Laon an. Nachdem ich mir in der Kriegsverpflegungsstelle warm Essen hatte geben lassen, legte ich mich auf einer Bank etwas schlafen, um den Tag abzuwarten. Gegen 5:00 Uhr marschierte ich nun los nach Crepy. Hier erfuhr ich, daß mein Zug jetzt in Marchais liegt. Auch der 1. Zug ist jetzt von Crepy fort. Mit einem Wagen fuhr ich nun wieder über Laon, dann über Coucy les Eppes nach Marchais, wo ich gegen 2:00 Uhr eintraf. Quartier war hier auf einem Boden, auf dem man es vor Hitze nicht aushielt. Gegen Abend kam glücklicherweise ein Gewitter und es wurde dadurch etwas kühler.

Dienstag, 19. Juni
Arbeit lag heute weiter nicht vor, dafür war Instandsetzen der Sachen. Abends ging ich mit Albrecht im Schloßgraben baden.  

Das Chateau de Marchais, im Besitz der monegassischen Königsfamilie. Quelle: www.static-akpool.de
Mittwoch, 20. Juni
Albrecht und ich bauten mit je vier Mann zwei Kabelleitungen nach Coucy les Eppes ab. Gegen 2:00 Uhr waren wir wieder in Marchais.

Donnerstag, 21. Juni
Der Zug mußte heute ein anderes Quartier beziehen. Ich soll mit noch einem Mann nach Festieux zu Tepper.
Da ich mich zum Dienst in der Türkei gemeldet habe, ließ ich mich auf Tropendienstfähigkeit untersuchen und fuhr dann um 6:00 Uhr nachmittags ab, um nach 8:00 Uhr in Festieux einzutreffen. Gleichsam als Begrüßung wurden wir kurz nach der Ankunft von einem französischen Flieger mit Bomben beworfen, die glücklicherweise 100 Meter entfernt aufs Land fielen.

Freitag, 22. Juni
Mußte vormittags nach Marchais zur Chininprobe. Konnte glücklicherweise Autos benutzen, kam aber, da es regnete, ziemlich durchnäßt um 11:00 Uhr in Marchais an. Nachdem ich vier Chininpillen geschluckt hatte, erhielt ich und Unteroffizier Albrecht um 5:00 Uhr das ärztliche Attest. Fünf Zähne müssen bei mir plombiert werden, dann bin ich tropendienstfähig. Als ich wieder nach Festieux zurück wollte, kam durch Gekofer der Befehl, die Trupps aus Festieux zurückzuziehen, um hier Permanent Leitung zu bauen. Ritt deshalb nach Festieux mit den Gespannen und holte die zwei Trupps mit Fahrzeugen. Nach 9:00 Uhr abends waren wir dann in Marchais.

Sonnabend, 23. Juni
An einem bestehenden Gestänge nach Cizy haben wir zwei Doppelleitungen zu ziehen. Zogen eine fertig (4 km) und fingen die zweite an. Gegen Abend fuhr ich mit Albrecht nach Sissonne, um ihn dort am Grabe seines Vetters zu photographieren.

Sonntag, 24. Juni
Stellten die zweite Leitung von Marchais nach Cizy fertig und hatten die Arbeit gegen 11:00 Uhr beendet. Um 5:00 Uhr nachmittags zogen wir nach Eppes um. Ich mußte nach Samoussy zu dem Forstfeldwebel, um Bäume zum Fällen anweisen zu lassen. Konnte hier über drei Stunden warten, ehe der Feldwebel nach Hause kam. Nach kurzer Erklärung, wo wir die Bäume fällen könnten, fuhr ich nach Eppes und langte gegen 10:00 Uhr in unserem neuen Quartier, einer Scheune, an.

Montag, 25. Juni
Ging mit neun Mann nach dem Samoussy Wald und ließ 21 Stangen fällen und zwölf gleich nach Eppes fahren. Abends war ich mit Tepper baden, hätten es aber lieber nicht tun sollen, da ich etwas erkältet und verschnupft bin. Nach dem Baden, machte dies sich noch stärker bemerkbar.

Dienstag, 26. Juni
Wieder nach dem Samoussy Walde gewesen, den Rest der Stangen geholt. Nachmittags dann Stangen ausgefahren und gesetzt.
Habe noch einen fürchterlichen Schnupfen und fühle mich am ganzen Körper schlapp.

Mittwoch, 27. Juni
Nachdem vormittags Anker gesetzt waren, zogen wir nachmittags eine Leitung von der Station bis zur Bahn.

Donnerstag, 28. Juni
Mit den nötigen Leuten zog ich heute weitere Leitungen an dem Gestänge.
Abends wieder gebadet.

Freitag, 29. Juni
Zog vormittags auch noch Leitungen, nachmittags wurden Stangen gesetzt.

Sonnabend, 30. Juni
Es regnete den ganzen Tag, trotzdem wurden wir, bis auf einzelne Kleinigkeiten, mit unserer Arbeit fertig.

31. Oktober 2017

Mai 1917


 


 






 


 

In Frankreich trifft mein Großvater durch Zufall seinen Bruder Walter, der in einem Nachbarort stationiert ist. Die gemeinsamen Fotos gibt es leider nicht mehr, nur dieses von Walter. 


Tagebuch vier, angefangen am 28. April 1917

Sonnabend, 28. April
Arbeiteten an dem Kabelgraben, welcher in nordwestlicher Richtung aus Crepy zur Bäckerei führt.

Sonntag, 29. April
Hatte Urlaub genommen und fuhr vormittags mit dem Rade nach Laon, um photographische Artikel einzukaufen. Sah dabei in Laon eine Kantine vom 3. Batallion des Infanterie Regimentes 205 und erfuhr dadurch, daß mein Bruder ganz in der Nähe liegt.

Montag, 30. April
Arbeiteten an den Kabelgräben.

Dienstag, 1. Mai
Der Wonnemonat ist nun auch wieder da. Müssen uns aber immer noch hier draußen herumtreiben, wo nichts von Maienluft zu merken ist. Das Wetter ist sehr gut, fast schon zu heiß. Vormittags bis 10:00 Uhr gearbeitet. Danach gingen wir, zum ersten Mal hier draußen, baden. Allerdings Brausebad. Abends Gesundheitsbesichtigung und anschließend Gasmasken ausprobieren im Stinkraum.

Mittwoch, 2. Mai
Meldete mich krank, da ich wieder eine Nagelhautentzündung habe.

Donnerstag, 3. Mai
Vormittags zum Arzt gewesen. Darauf beim Kabelgraben die Aufsicht geführt.

Freitag, 4. Mai
Vormittags wieder zum Arzt gewesen. Darnach zum Kabelverlegen.

Sonnabend, 5. Mai
War erst zum Arzt, dann ging ich zur neuen Baustrecke, welche nach Cressy führen soll. Hatte über 8 km zu laufen und zwar bis hinter Vivaise, wo Witkowski Stangen setzte. Da es sehr heiß war, kam ich ziemlich in Schweiß gebadet dort an. Nach Crepy zurück, konnte ich wenigstens fahren.        

Sonntag, 6. Mai
Heute das letzte mal an den Kabelgräben gearbeitet. Das Verlegen ist nun soweit fertig.

Montag. 7. Mai
Vormittags war ich nochmals zum Arzt und brauche nun in etwa acht Tagen nochmals dahingehen. Danach ritt ich zur Dandy Ferme, wo wir das Geschäftszimmer des Munitionsparks mit etlichen Nebenstellen durch Feldkabeldoppelleitungen zu verbinden haben. Bei gutem Wetter, eine sehr schöne Arbeit.

Dienstag, 8. Mai
Vormittags wieder zur Dandy Ferme mit meinem Trupp gewesen. Stellten die Leitungen alle fertig und bauten Apparate ein. Da bei zwei Stück der Wecker fehlt, müssen wir morgen nochmals hinaus. Nachmittags an der Strecke nach Cressy einen Anker gesetzt.
Abends wieder gebadet.

Mittwoch, 9. Mai
Ging heute mit zwei Mann wieder nach Dandy Ferme und baute die noch fehlenden Apparate ein. Als ich mittags nach meinem Quartier zurück kam, hatte ich Besuch bekommen. Mein Bruder, welcher südlich Laon in Stellung lag, hatte Urlaub bekommen und besuchte mich deshalb. Die Freude, über das Wiedersehen im Felde, war natürlich beiderseits sehr groß. Verbrachten gemeinsam den Nachmittag, ließen uns photographieren und besuchten abends das Kino.

Donnerstag, 10. Mai
Hatte heute dicht am Ort zu tun und konnte deshalb öfters nach dem Quartier gehen, wo mein Bruder, von unseren gestrigen Aufnahmen, schon Bilder machte. Nachmittags feierten wir, nachdem an fast alle Verwandten geschrieben war, Abschied bei Bier und einer Flasche Mosel. Dann mußte Walter wieder fort und ich begleitete ihn noch circa vier Kilometer.

Freitag 11. Mai
War mit sechs Mann auf Baustrecke, zum Querträger anbringen.

Sonnabend, 12. Mai
Auch heute wieder auf Baustrecke Querträger angebracht.
Von Morgen ab, soll wieder gemeinsam für den ganzen Doppelzug gekocht werden. Auf höheren Befehl.

Sonntag, 13. Mai
Auf Strecke Crepy-Cressy Querträger angebracht.

Montag, 14. Mai
Erhielt heute neue Arbeit für meinen Trupp und zwar soll vor der Station ein Turm in Dreibockform gebaut werden. Ging nun zunächst Stangen schlagen.

Dienstag, 15. Mai
Für den Turm Stangen geschlagen, 10 ½ Meter lange Tannen und auch zur Baustelle gefahren. Eine Stange setzten wir noch, nachdem alle vorher geschält waren.

Mittwoch, 16. Mai
Bei strömenden Regen mussten wir heute arbeiten. Setzten die beiden fehlenden Hauptstangen und begannen mit der Verstrebung. Abends sollten wir die zur Station gehenden Gestänge an den Endstangen verankern und das dazwischen liegende Feld jedes Mal schneiden. Da die Bleikabel inzwischen angelegt sind und der Doppelbock vor der Station, infolge seiner Verankerung mit dem Gebäude, bald die ganze Wand einreißen wird. Breite Risse sind schon vor längerer Zeit entstanden. Jetzt mit einem Male ist es eilig dies zu beseitigen und meine Leute sollten nun die Nacht daran arbeiten, trotzdem sie schon völlig durchnäßt waren und es weiter regnete. Nach einiger Zeit kam aber doch der Befehl, daß die Arbeiten erst Morgen weiter fortgesetzt werden sollen.

Donnerstag, 17. Mai  
Mußte mit meinem Trupp heute, am Himmelfahrtstage, arbeiten, während die anderen Trupps dienstfrei waren und dafür Kirchgang hatten. Arbeiteten aber nur bis ½ 1 Uhr an den Einführungen zur Station.

Freitag, 18. Mai
An den Einführungen zur Station und am Dreibock gearbeitet.

Sonnabend, 19. Mai
Am Dreibock gearbeitet.

Sonntag, 20. Mai
Arbeiteten bis Mittag, wieder am Dreibock.
Meine Kaninchen habe ich jetzt bei Lühring im Quartier, da dort einige gute Ställe frei waren.
Vielleicht die französischen Kaninchen?


Montag, 21. Mai
Auch heute wieder am Dreibock gearbeitet.

Dienstag, 22. Mai
Vormittags regnete es, trotzdem mußte gearbeitet werden. Nachmittags war glücklicherweise besseres Wetter.

Mittwoch, 23. Mai
Unser Dreibock wurde heute so ziemlich fertig. Jetzt soll nun auch noch ein Dach hinaufkommen.

Donnerstag, 24. Mai
Arbeiteten an dem Dach für den Dreibock.
Bekamen heute durch unseren Doppelzug das erste Mal ½ Pfund Butter und ½ Pfund Käse zu kaufen. Beides äußerst billig und gut, zusammen nur eine Mark.

Freitag, 25. Mai
An dem Dach für den Dreibock gearbeitet.

Sonnabend, 26. Mai
Wieder an dem Dach des Dreibocks gearbeitet, welcher fertig wurde.
Gestern tauchte schon das Gerücht auf, daß das hier befindliche General Kommando 23 Reserve Korps fort käme. Heute bestätigte sich dies. Auch die Fernsprechabteilung 723 geht mit und es ist leicht möglich, daß unser Doppelzug auch mit fort muß.

Sonntag, 27. Mai
Pfingstsonntag heute. Da wir dienstfrei sind und sehr schönes Wetter ist, kann man sich einmal ordentlich ausruhen. Ob die schöne Zeit der Pfingstwanderungen wiederkommt und wann? Hoffentlich kann man nächste Pfingsten wieder die deutschen Gaue durchstreifen, wie man will.

Montag, 28. Mai
Vormittags fuhr ich nach Laon, zusammen mit Wachtmeister Weinhold und kehrte gegen Mittag von dort zurück.
Unser 2. Zug soll nun morgen auch von Crepy fort, während der 1. Zug noch hier bleibt.

Dienstag, 29. mai
Vormittags ½ 7 Uhr standen wir abmarschbereit, um gegen 7:00 Uhr uns in Richtung Laon in Marsch zu setzen. Durch Laon ging es dann durch Eppes nach Coucy les Eppes, wo wir in einer Scheune Quartier bezogen. Die Pferde mußten im Freien bleiben und auch ein Teil der Mannschaften zog es vor, draußen unterm Zelt zu schlafen. Befinden uns hier bei der ersten Bayrischen Infanterie Division.

Mittwoch, 30. Mai
Nahmen heute Quartier in zwei Häusern, die wir erst einigermaßen sauber machen mußten, um überhaupt hinein ziehen zu können. Fensterscheiben fehlen fast ganz und gar. Dieselben sind alle, bei der vor circa vierzehn Tagen durch Fliegerangriff erfolgten Explosion des Munitionslagers, entzwei gegangen.
Trupp Tepper kam nach Festieux circa sechs Kilometer von hier.

Donnerstag, 31. Mai
In einer Leitung war Starkstrom. Ich ging deshalb mit zwei Mann los den Fehler zu beseitigen in Richtung Marchais und sandte gleichzeitig zwei Mann zur Brigade, wohin die Leitung ging, da sie hier in Concy nicht eingeführt ist. Durch das trockene Wetter und den starken Autoverkehr ist auf den Strassen ein unheimlicher Staub. Nach ein paar Schritten sieht man schon einem Müller ähnlich.